Während des Fußballspiels Celta Vigo gegen FC Barcelona am 14.02.2016 spielt sich etwas ziemlich Verrücktes auf dem Spielfeld ab: Lionel Messi verwandelt auf sehr ungewöhnliche Art und Weise einen Elfmeterschuss. Genau genommen verwandelt er ihn gar nicht selbst. Messi setzt zwar zum Schuss an. Tatsächlich täuscht er aber den Elfmeterschuss nur an, indem er den Ball leicht antippt. Der Torhüter Álvarez von Celta Vigo fällt auf diesen Trick herein und lässt sich schützend nach links fallen. Mittlerweile setzt Luis Suárez, auch Spieler beim FC Barcelona, zum Schuss an. Was unternimmt der Torhüter Álvarez?  Innerhalb von Sekunden rappelt er sich auf und stürmt aus dem Tor heraus, dem Ball entgegen. Das Tor durch Suárez kann er allerdings nicht mehr abwenden.

Auch wenn Álvarez’ Reaktion nicht von Erfolg gekrönt ist, macht der Torhüter etwas ziemlich Schlaues: Er läuft aus dem Tor heraus und verkürzt den Winkel. So nennt man das im Fußballsport. Was damit gemeint ist, erkennen Sie in den beiden folgenden Abbildungen.

Verbindet man den Elfmeterpunkt mit den beiden Torpfosten jeweils durch eine Verbindungsstrecke, so entsteht ein Winkel. Dieser Winkel umfasst alle möglichen Schussbahnen des Balls auf das Tor. Ein besonders gut platzierter Schuss zielt möglichst nah an einen der beiden Torpfosten. Solch ein Schuss kann vom Torhüter nur durch einen kräftigen Sprung zur Seite und viel Glück erreicht werden. Das Tor ist immerhin etwa 7,3 Meter breit. Anders verhält es sich, wenn der Torhüter dem Schützen entgegenläuft, so wie Álvarez in Abbildung 2. Näher am Schützen kann er den Schusswinkel viel besser abdecken und somit auch Schüsse, die in die Ecken zielen, erfolgreich abwehren. Diese Strategie nennt man im Fußball ganz anschaulich „Winkel verkürzen“.

In Abbildung 3 ist die Situation beim Elfmeterschießen aus der Vogelperspektive skizziert. Der Torhüter T steht im Tor und streckt seine Arme zur Seite aus. Wie Sie sicherlich schon häufig bei Fußballspielen gesehen haben, ist es für den Torhüter sehr schwierig, aus dieser Position den Elfmeterschuss zu halten. In Abbildung 4 verkürzt der Torhüter den Winkel so weit, dass er mit seiner Armspanne den gesamten Schusswinkel abdecken kann. In der Fußballsprache spricht man auch manchmal von „Torverkleinerung“. Aus dieser Position wird der Torhüter vermutlich die meisten direkten Torschüsse halten können.

Wie weit muss der Torhüter aus dem Tor herauskommen, um tatsächlich den gesamten Winkel aus dem Stand abdecken zu können? Oder anders gefragt: Wie nah am Elfmeterpunkt befindet sich der Torhüter in Abbildung 4? Diese Entfernung auszurechnen ist gar nicht so schwierig. Man benötigt hierfür die folgenden drei Größen:

11 m: Der Elfmeterpunkt ist, wie der Name schon sagt, 11 Meter vom Tor entfernt.

7,3 m: Das Tor ist 7,3 Meter breit.  

2 m: Die Armspanne des Torhüters ist etwa 2 Meter breit.

Diese drei Größen sind in Abbildung 5 markiert.

Aus diesen drei Größen lässt sich die fehlende Entfernung ST zwischen dem Torhüter T und dem Schützen S bestimmen. Die Entfernung ST (in Meter) lässt sich zum Beispiel mit dem Strahlensatz berechnen.

Der Torhüter muss also den Abstand zum Schützen auf etwa 3 Meter verkürzen, um den Schusswinkel aus dem Stand abdecken zu können.

Bei einem Elfmeterschuss wird dies allerdings nie passieren, denn laut den FIFA-Regeln muss der Torhüter auf seiner Torlinie zwischen den Pfosten bleiben, bis der Ball getreten wurde. Doch natürlich sollte der Torhüter bei Schüssen, die frontal auf das Tor geschossen werden, möglichst immer dem Schützen entgegenlaufen. Und genau so machen das auch die Fußballprofis wie zum Beispiel der Torhüter Álvarez in dem legendären Spiel gegen FC Barcelona, das schließlich 6:1 für Barcelona ausging.

Übrigens: Schießt ein Fußballspieler aus einem spitzen Winkel auf das Tor, so sollte der Torhüter möglichst in Tornähe stehen bleiben. Denn dort deckt er bereits aus dem Stand das gesamte Tor ab. Das sieht man in Abbildung 6. Am besten probieren Sie es einmal selbst auf dem Bolzplatz aus!