1933 feierte einer der größten Filmhelden der Geschichte Premiere: King Kong, ein riesiger Gorilla mit einer Vorliebe für Hochhäuser und weiße Frauen. Problemlos schleudert er Flugzeuge durch die Luft, zertrümmert ganze Häuserblocks und sprengt die dicksten Ketten. Ein Affe mit Bärenkräften. Doch wäre so etwas in der Realität überhaupt möglich? Was sagt die Mathematik dazu?

Würde es ein Wesen wie King Kong in der Natur tatsächlich geben, wäre das Tier aufgrund seiner Abmessungen ein jämmerliches Häufchen Elend. Das klingt erstmal paradox, aber ein einziger unbedachter Schritt, und es würde sich die Beine brechen. Woran das liegt?

Vergrößert man ein Tier um das Zehnfache und behält seine Proportionen bei, nimmt logischerweise auch sein Gewicht um das vergrößerte Volumen zu, nämlich um das 10 x 10 x 10 = 1000-fache. King Kong wäre also 1000-mal schwerer als ein normaler Silberrücken. Gleichzeitig nimmt seine Kraft nur relativ zu der Stärke seiner Knochen und Muskeln zu. Die Querschnittfläche der Knochen und Muskeln erhöht sich lediglich um das 10 x 10 = 100-fache. Das heißt: Ein 10-mal größerer Affe wäre zwar 100-mal stärker, würde aber gleichzeitig 1000-mal mehr wiegen. Sein Gewicht nähme also in viel größerem Ausmaß zu als seine Kraft.  In Bezug auf seine Körpergröße wäre King Kong also zehnmal schwächer als seine mickrigen Verwandten im Zoo. Allein an seinem Körper hätte er so viel zu schleppen, dass er wohl kaum noch die Kraft hätte, halbe Innenstädte dem Erdboden gleich zu machen.

Hinzu kämen zahllose Verschleißerscheinungen wie Arthrose, Knorpelschäden und Bandscheibenvorfälle; außerdem wäre ein solcher Koloss mit großer Wahrscheinlichkeit auch ein kardiologischer Risikopatient: Da sich King Kong im Film meist aufrecht bewegt, müsste sein Herz unfassbare Pumpleistungen vollbringen, um alle Muskeln und Organe mit Sauerstoff zu versorgen – mal abgesehen davon, dass es aufgrund der schieren Größe des Riesenaffen sowieso schon auf Anschlag stünde. Nur ein kurzer Sprint, und der massige Primat würde minutenlang zur Schnappatmung übergehen. Im Film mag es elegant und kraftvoll aussehen, wie King Kong das Empire State Building hinaufklettert, doch in der Realität müsste permanent ein Ärzteteam aus Herzspezialisten, Chirurgen und Orthopäden zur Verfügung stehen, um ihn überhaupt halbwegs am Leben halten zu können. Alles in allem keine wirklich glamouröse Hollywood-Geschichte.

Je massiger ein Lebewesen ist, desto unflexibler und träger wird es zwangsläufig. Genau aus diesem Grund ist das größte bekannte Lebewesen der Erde auch kein wildes Raubtier, sondern ein unscheinbarer Pilz. Im Jahr 2000 entdeckten Forstwirtschaftler in Oregon einen Hallimarsch, dessen unterirdisches Geflecht sich über neun Quadratkilometer erstreckt. Das entspricht einer Fläche von 1.200 Fußballfeldern. Wer hätte das gedacht? Pilze sind die größten Geschöpfe auf unserem Planeten! Wenn Sie also wirklich mal eine überdimensionale Kreatur sehen wollen, brauchen Sie nicht ins Kino zu gehen – ein kurzer Blick ins Badezimmer einer durchschnittlichen Studenten-WG reicht völlig aus.

Was übermenschliche Kraft und phänomenale Robustheit angeht, sind winzige Tiere viel interessanter. Denn je kleiner ein Lebewesen ist, desto stärker ist es im Vergleich zu seiner Körpergröße. Ein Effekt, den man sogar beim Menschen beobachten kann. Fliegengewichtheber können etwa das Dreifache ihres Körpergewichts stemmen, während die großen Schwergewichtler gerade mal das Doppelte schaffen. Noch beeindruckender sind Insekten. Ameisen wiegen selbst nur rund zehn Milligramm, schleppen aber locker das Vierzigfache ihres Gewichts mit sich herum.

Am spektakulärsten jedoch ist die in den Tropen beheimatete Hornmilbe. Mit einer Größe von nur 0,8 Millimetern kann sie das 1200-fache ihres eigenen Körpergewichts tragen. Um sich festzuhalten, kann das Spinnentier mit seinen Klauenmuskeln eine Kraft von bis zu 1170 Kilonewton pro Quadratmeter aufbringen. Da wird selbst der stärkste Pitbull neidisch.

Warum die Milbe über diese Superkräfte verfügt, weiß kein Mensch. Auf jeden Fall gilt sie als stärkstes Tier weltweit und hat sich ihren Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde redlich verdient. Als Filmheld wird sie wahrscheinlich trotzdem nicht in die Geschichte eingehen.