Viele sind der Meinung, dass der Schulunterricht Mathematik zu theoretisch ist und niemand mehr weiß, wofür man das braucht, was man lernt.

 

Die Kritik ist zum einen Teil sicherlich berechtigt, aber zum anderen Teil geht sie komplett in die falsche Richtung. Die Kernkompetenz, die einem Mathematik beibringt, ist logisches Denken. Und das wird in der Schule nicht deutlich. In der Schule kriegt man Formeln und setzt dann bestimmte Zahlen für Variablen ein, um etwas zu berechnen. Nun wird von vielen zwanghaft immer nach Beispielen gesucht, um diese Art von Rechnungen zu begründen. Aber warum spricht man nicht mal darüber, wo die Formeln herkommen, warum die gelten, was dahinter steckt? Warum bringt man alle möglichen Formeln bei, aber nicht, wie man auf diese kommt? Das ist ja der Grund, warum für viele im Matheunterricht alles vom Himmel fällt und so unverständlich ist. Weil man gar nicht die Hintergründe erfährt. Viele meinen, dass das doch für Schülerinnen und Schüler viel zu kompliziert ist. Ich meine: Man wächst an seinen Aufgaben und es ist sicher besser als Formeln einfach so aus einem Hut zu zaubern. Zumal logisches Denken immer und in jedem Bereich, in jeder Wissenschaft wichtig ist.

 

Wer logisch denken kann, kann schneller Dinge verstehen und strukturierter und sinnvoller über Dinge nachdenken. Wenn man allein Politik, Philosophie, Jura betrachtet; In all diesen Bereichen geht es oft um das Argumentieren. Aber wie soll man argumentieren, wenn einem nicht klar ist, dass A nicht unbedingt aus B folgt, nur weil A aus C folgt. Es fehlt so viel grundlegendes logisches Verständnis, was für jede Diskussion so wichtig wäre. Für unsere gesamte Kommunikation ist logisches Verständnis wichtig. Im Alltag ist es für die wenigsten wichtig, den Sattelpunkt einer Funktion bestimmen zu können. Aber seine Meinung sinnvoll ausdrücken zu können schon. Viele sind im Studium – egal in welchem Studienfach – überrumpelt von der Art, wie sie wissenschaftlich arbeiten müssen und von den Mathe-Kenntnissen, die gefordert werden. Ja natürlich, weil man es komplett nicht gewöhnt ist, abstrakt über logische Probleme nachzudenken. Das kommt mit Übung und Gewöhnung.

 

Ich sage nicht, dass es jemals einfach sein wird. Es liegt nicht in der Natur der Mathematik, einfach zu sein. Aber je früher man anfängt, sich mit abstrakten Problemen und logischen Rätseln auseinander zu setzen, desto natürlicher wird es. Gerade deshalb fände ich es doppelt wichtig, Schülerinnen und Schülern auch diese Seite der Mathematik zu zeigen. Und ich fordere nicht, dass am Gymnasium komplexe Beweise beigebracht werden. Ich sage: Etwas Mengenlehre mit logischen Grundlagen. Etwas, was eigentlich jeder verstehen kann. Etwas, was sogar früher an Schulen gelehrt wurde.