Das Datum des Osterfestes wurde vermutlich schon beim Konzil von Nicäa im Jahre 325 n.Chr. festgelegt. Die Regel lautet:

Ostern liegt am Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling.

In diesem Jahr 2019 war der Frühlingsbeginn, also der Zeitpunkt, wenn die Sonne über den Himmeläquator steigt und damit Tag und Nacht gleich lang sind, am 20. März, um 22 Uhr und 58 Minuten. In manchen Jahren konnte das sogar schon am 19. März passieren. Der erste Vollmond nach diesem Datum war am 21. März, um 2 Uhr 43 Minuten, also knapp vier Stunden später. Das war ein Donnerstag. Damit hätte eigentlich am Sonntag, dem 24. März 2019, Ostern sein müssen. Ostern wird aber erst am 21. April 2019 gefeiert. Was ist da passiert? Das nennt man das Osterparadoxon. Wie kommt es zustande?

Vor fast 1700 Jahren hatte man bei der Bestimmung des Osterfestes drei Probleme:

  1. Wann ist Sonntag?
  2. Wann ist Vollmond?
  3. Wann beginnt der Frühling?

Die Sache mit dem Sonntag war einfach. Alle sieben Tage ist Sonntag.

Die Bestimmung des Vollmondes war dagegen ziemlich kompliziert. Schließlich kann man ja nicht einfach zum Himmel schauen und den Mond beobachten. Wann die Scheibe voll zu sehen ist, lässt sich kaum ausmachen. Wir haben heute ausgeklügelte Computerprogramme, um solche Daten auf eine Minute genau zu berechnen. Damals hatte man aber schon festgestellt, dass der Mond alle 19 Jahre wieder dieselbe Phase annimmt. Wenn in einem Jahr am 1. April Vollmond war, so war genau 19 Jahre später wieder am 1. April Vollmond. Diese 19-jährliche Periode nennt man Meton-Zyklos nach dem griechischen Astronomen Meton. Und diesen Zyklus nutzte man, um das Datum des Vollmondes zu bestimmen. Es stimmte zwar nicht ganz mit den astronomischen Daten überein – in 19 Jahren ergibt sich ein Unterschied von zwei Stunden und 5 Minuten – aber es vereinfachte die Festlegung ungemein.

Die Bestimmung des Frühlingsbeginns erwies sich ebenfalls als ziemlich schwierig. Man hatte aber festgestellt, dass der Frühling nie nach dem 21. März eintrat. Man setzte sich also auf die sichere Seite, dass Ostern nicht schon im Winter lag, indem man bestimmte:

Der Frühling beginnt am 21. März eines jeden Jahres.

Mit diesen Festlegungen konnte man gut arbeiten. In diesem Jahr 2019 ergab sich nun, dass nach der Zyklusregel der Vollmond schon am 20. März lag, also vor dem festgelegten Frühlingsbeginn. Damit war dieser Vollmond noch ein Wintervollmond und konnte für die Festlegung des Osterfestes nicht herangezogen werden. Also zählt erst der Vollmond am Karfreitag, dem 19. April, als erster Frühlingsvollmond. Und so feiern wir Ostern in diesem Jahr erst am 21. April 2019.

Wir wollen noch erwähnen, dass der Princeps Mathematicorum, der Fürst der Mathematik, Carl Friedrich Gauß um 1800 herum eine Formel zur Berechnung des Osterdatums angegeben hat. Natürlich liefert diese Formel auch das Osterdatum 21. April für dieses Jahr, denn Gauß hat sich an die kirchlichen Vorgaben gehalten und ebenfalls den Meton-Zyklus benutzt und den 21. März als Beginn des Frühlings gewählt.

Übrigens, wegen des Meton-Zyklus haben wir in 19 Jahren, also im Jahre 2038 wieder ein solches Paradoxon.