Die exakte Umrundung der Sonne durch die Erde dauert etwa 365,2422 Tage, das sind 365 Tage 5 Stunden 48 Minuten und ziemliche genau 46 Sekunden. Die Länge dieses so genannten Tropischen Jahres kannte man nicht immer so genau. Für die antiken Babylonier hatten das Jahr 12 Monate mit jeweils 30 Tagen also 360 Tage, aber man wusste dass dies zu wenige Tage sind und man schob so alle paar Jahr einen ganzen Schaltmonat von 29 oder 30 Tagen dazwischen. Später (wir überspringen ein paar hundert Jahre) führten die Römer den Kalender mit 12 unterschiedlich langen Monaten und 355 Tagen ein, der ebenfalls in unregelmäßigen Abständen angepasst wurde.

Es war also schon damals klar dass es keine einfache Regelung geben kann. Machen wir uns das Dilemma kurz klar. Nehmen wir an, ein Jahr hätte immer 365 Tage, so würde diese Regelung dazu führen, dass jedes Kalenderjahr 6 Stunden kürzer wäre als das tropische Jahr. Die Folge: in hundert Jahren ergeben sich daraus bereits 25 Tage, also fast schon ein Monat. Das hat zur Folge, dass sich die Jahreszeiten mit der Zeit verschieben. Nach 730 Jahren hätten sich Sommer- und Winterbeginn gerade vertauscht (¼ Tag pro Jahr ergibt in 730 Jahren 182 ½ Tage bzw. ein halbes Jahr). Das aber widerspricht dem ursprünglichen Sinn und Zweck eines Kalenders, welcher dazu diente, den Beginn der Jahreszeiten festzulegen, die Feldarbeit zu planen und die Termine von Festtagen zu bestimmen.

Es musste ein Ausgleich her, welcher mit der Einführung des Julianischen Kalenders 45 v. Chr. unter Julius Cäsar erfolgte. In diesem, auf früheren Berechnungen des griechischen Astronomen Hipparchos beruhenden Kalender, wurde die Dauer eines Jahres zunächst auf 365 Tage festgelegt. Da ein Jahr nach Hipparchos’ Berechnungen jedoch 365 ¼ Tage lang war, wurde außerdem das so genannte Schaltjahr eingeführt: alle 4 Jahre wird dem Jahr ein ganzer Tag hinzugefügt: der Schalttag. Die Dauer eines Jahres von durchschnittlich 365,25 Tage liegt damit schon nah an der tatsächlichen Länge von 365,2422 Tagen.

Noch verbleibt aber eine Abweichung von 0,0078 Tagen (das sind etwas mehr als 11 Minuten). Dadurch kommt es nach wie vor zu Verschiebungen im Kalenderjahr. Das Kalenderjahr dauert gegenüber dem tropischen Jahr etwas zulange, was dazu führt, dass man mit den Kalenderfesten jedes Jahr ein wenig später dran ist. Nach 128 Jahren hat sich die Verschiebung zu einem vollen Tag aufsummiert, was über die Jahrhunderte zur Folge hatte, dass sich u. a. der Termin des Osterfestes immer weiter in Richtung Sommer verschob. Daher erließ Papst Gregor XIII. im Jahre 1582 eine Kalenderreform. Der Gregorianische Kalender, der noch heute fast überall auf der Welt verwendet wird, wurde eingeführt und damit vor allem eine neue Regelung für Schaltjahre, die „Schaltregel“. Nach dieser ist grundsätzlich jedes vierte Jahr ein Schaltjahr, es gibt aber Ausnahmen: Jahre, die durch 100 teilbar sind, aber nicht durch 400, sind keine Schaltjahre. Daher sind die Jahre 1900 und 2100 keine Schaltjahre, das Jahr 2000 dagegen schon. Kurz gesagt: alle 4 Jahre ist ein Schaltjahr, aber alle 100 Jahre nicht. Dann aber alle 400 Jahre doch.

Die Dauer eines Jahres im Gregorianischen Kalender beträgt 365 + 1 Viertel – 1 Hundertstel + 1 Vierhundertstel = 365,2425 Tage, womit es nur noch um etwa 0,0003 Tage oder 26 Sekunden vom Tropischen Jahr abweicht. Eine Abweichung von einem ganzen Tag ergibt sich erst nach 3200 Jahren. Und damit kann man auch heutzutage ganz gut leben.