Sicherlich ist Ihnen der Begriff „Murphys Gesetz“ bekannt: Was schief gehen kann, geht auch schief. Was eigentlich nicht schief gehen kann, geht trotzdem schief. Und der Versuch, etwas daran zu ändern, macht es nur noch schlimmer.

Entdecker dieser ultimativen Lebensweisheit ist der amerikanische Ingenieur Edward A. Murphy. 1949 führte er zusammen mit Kollegen bei der Air Force Base in Kalifornien aufwendige Crashtest-Experimente durch und musste nach mehreren gescheiterten Versuchen frustriert feststellen: Wenn es mehr als eine Möglichkeit gibt, ein Experiment durchzuführen, und eine dieser Möglichkeiten endet in einem Desaster, dann findet sich immer jemand, der diesen Weg einschlägt. „Murphys Gesetz“ galt ursprünglich nur für wissenschaftliche Messverfahren. Doch mehr und mehr erkannte man, dass diese Regel auch im normalen Alltag gilt: Die Stärke des Juckreizes ist proportional zur Schwierigkeit, diese Stelle zu erreichen. Der Tag, an dem du kein Make-up trägst, ist der Tag, an dem dir dein Ex-Freund über den Weg läuft. Und natürlich der absolute Klassiker: Das Brot fällt immer mit der Butterseite auf den Boden.

Doch stimmt das wirklich? Immerhin weiß man, dass uns unsere Annahmen oft genug täuschen. Wir alle haben die Tendenz, Ereignisse so zu interpretieren, dass sie sich mit unseren bestehenden Weltanschauungen decken. Immer ist die Ampel Rot! Ständig gerate ich an den Falschen! Alle anderen haben mehr Glück im Leben als ich!

Um die Behauptung von Mr. Murphy zu überprüfen, startete der Mathematiker Robert Matthews 1995 einen schrägen Großversuch an britischen Schulen: den „Tumbling Toast Test“. Er wollte herausfinden, ob es wirklich stimmt, dass ein Butterbrot immer mit der beschmierten Seite auf den Boden fällt. In einer normierten Testreihe ließ er 150.000 britische Schulkinder tausende Butterbrote auf den Boden fallen. Und tatsächlich: Sie landen fast immer so, wie Murphy es vorausgesagt hat: total bescheuert. Und sogar statistisch signifikant! Doch es wird noch schlimmer: Gleiches gilt auch für Honig-, Marmeladen- und Leberwurstbrote. Murphys Gesetz ist anscheinend unabhängig vom Brotaufstrich. Verantwortlich für die ungünstige Landung ist nämlich nicht, wie oft angenommen, dass sich das Universum gegen uns verschworen hat, sondern pure Physik.

Legen Sie ein Brot mit einem Aufstrich Ihrer Wahl auf den Tisch, und schieben Sie es langsam über die Tischkante hinaus. Irgendwann wird die Gravitation das tun, was sie eben so tut: Das überstehende Ende kippt nach unten weg und versetzt dabei die Brotscheibe in Rotation. Es entsteht ein Drehimpuls, der von der Masse des sich drehenden Körpers und seinem Abstand zur Drehachse abhängt. Geht man von einer durchschnittlichen deutschen Standard-Butterbrotscheibe aus (Roggenmisch mit ungesalzener Halbfettbutter; Gesamtgewicht: 69,4 g; Fläche: 94,5 cm2 nach ISO 9001 Zertifizierung), die von einem handelsüblichen IKEA-Esszimmertisch (Model BJÖRKUDDEN, Birke massiv, klarer Polyurethanlack, Höhe: 74 cm) nach unten rotiert, so reicht der Rotationsimpuls unter diesen Bedingungen gerade mal aus, dass sich die Scheibe 180 Grad um ihre eigene Achse drehen kann, bevor sie auf dem Boden aufschlägt. Folglich ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass sie auf der beschmierten Scheibe liegen bleiben wird. Lässt man dagegen Brote hochkant nach unten fallen, so liegt die Wahrscheinlichkeit, auf der beschmierten Seite zu landen bei 50:50.

Erfreulicherweise gibt es ein paar Maßnahmen, um das Butterbrot-Dilemma zu verhindern. Erstens: Essen Sie an hohen Tischen. Beim Fallen bremst der Luftwiderstand die Rotation, gleichzeitig beschleunigt die Gravitation das Brot weiter. Bei einer Tischhöhe von über zwei Metern dreht es sich so um 360 Grad und landet auf der richtigen Seite. Zweitens: Bereiten Sie Schnittchen. Ein geringerer Brot-Radius führt zu einer schnelleren Drehung. Drittens: Legen Sie Ihr Brot von Anfang an mit der beschmierten Seite auf den Teller. So kann es schwerer vom Tisch purzeln – und wenn doch, fällt es auf die richtige Seite. Oder wie ein Kind der britischen Studie meinte: „Schmier doch die Butter einfach auf die andere Seite!“