So schnell kann’s gehen. Hätte sich vor drei Monaten ein Analyst mit einer Vorhersage ins Fernsehen gewagt, die die aktuelle Lage des traditionsreichen Volkswagen-Konzerns beschreibt – man hätte ihn für verrückt erklärt.

Jetzt ist das Unvorstellbare passiert und im Zuge des Skandals um manipulierte Abgaswerte – täglich kommen neue Informationen ans Tageslicht, die die VW-Aktie beeinflussen – hat Volkswagen auf ein Jahr gerechnet knapp dreißig Prozent des Aktienkurses eingebüßt.

Wer also in Volkswagen investiert hat, braucht jetzt gute Nerven und Durchhaltevermögen.

Ganz anders sieht das bei der Konkurrenz aus. Ob Daimler, BMW und Co. gänzlich ohne gefälschte Abgaszertifikate Milliardengewinne machen können, fällt in den Bereich der Hypothesen. Fest steht, dass die Konzerne vom aktuellen Skandal noch nicht betroffen sind und – auch angesichts der Talfahrt des größten Konkurrenten Volkswagen – der Aktienkurs der „sauberen“ deutschen Automobilhersteller solide steigt. Daimler hat im gleichen Zeitraum – wir vergleichen wieder auf ein Jahr gerechnet – knapp dreißig Prozent am Aktienmarkt hinzugewonnen.

Investment in Einzelwerte birgt Risiken

An den beiden Beispielen wird klar, welches Risiko ein Investment in einzelne Aktien – sogenannte Einzelwerte – birgt. Noch können Daimler-Aktionäre ruhig schlafen. Aber konnte das der Volkswagen-Aktionär vor drei Monaten nicht auch? Der Kursrutsch war einfach nicht vorherzusagen.

Man muss aber gar nicht sinnbildlich alles auf eine Karte setzen. Wer das Risiko, das durch hohe Kursausschläge einzelner Aktien entsteht, minimieren möchte, kauft einfach mehrere Aktien – man spricht dabei von der Streuung. Der Anleger bucht dabei mehrere Aktien in sein Depot, so dass der Ausschlag einer einzelnen Aktie nur begrenzten Einfluss auf den Gesamtausschlag hat und sich das Risiko dadurch verteilt.

In unserem Beispiel der VW- und Daimler-Aktie hätten sich der Verlust und der Gewinn daher ausgeglichen. Wir erinnern uns: Während die VW-Aktie innerhalb eines Jahres um dreißig Prozent fiel, legte die Daimler-Aktie um dreißig Prozent zu. Unterm Strich hat der Anleger also weder Geld verloren, noch Geld gewonnen.

Eine solche Sammlung an Aktien nennt sich Fonds. Die Kunst von professionellen Anlegern, die Fonds zusammensetzen – den sogenannten Fondsmanager – besteht darin, die Aktien auszuwählen, die den größtmöglichen Gewinn produzieren. Das ist eine echte Kunst und basiert heutzutage auf computergestützten Analysen, Erfahrung und einer ganzen Menge Glück. Dass der Manager mit der Auswahl der im Fond eingebrachten Aktien großen Schaden anrichtet ist durch die heutige Regulierung begrenzt. Denn durch die Auflage, dass der Wert einer Aktie maximal zehn Prozent des Gesamtwertes des Fonds ausmachen dürfen, ist das Risiko stets auf viele verschiedene Aktien verteilt.

Fonds sind nicht billig

Ein Fondsmanager ist nicht zufrieden, wenn sich Gewinn und Verlust wie in unserem Beispiel nur ausgleichen. Im Idealfall steigt der Kurs aller im Fonds angelegten Aktien – dann hat er gute Arbeit gemacht.

Dass kein Geld verloren geht, wenn sich die Aktienkurse ausgleichen, ist dann – wie so oft – leider nur die halbe Wahrheit

Fondsmanager legen in ihrem Beruf nicht für sich selber an – sie tun das für andere. Dass sie davon leben wollen ist nicht nur verständlich, sondern völlig berechtigt. Dabei hat der Fondsmanager eine ganze Auswahl an Kunden: Vom Kleinanleger bis zur Bank oder Versicherung – man spricht von den institutionellen Anlegern, setzen heutzutage viele verschiedene Anleger auf Fonds. Zudem ist es institutionellen Anlegern teilweise vorgeschrieben, ihr Risiko durch Streuung zu limitieren. Kauft der Kunde nun einen vom Manager zusammengestellten Fonds, entsteht eine ganze Menge an Gebühren. Angefangen von der Beratung, über die Verwaltungsgebühr, bis hin zur Rücknahmegebühr, die beim Verkauf des Fondsanteils anfällt – der Fonds kostet.

Darin liegt ein großer Unterschied zum Kauf von einzelnen Aktien. Hier fällt höchstens eine Gebühr bei der Bank an, die den Aktienkauf- und verkauf durchführt. Da der Fondsmanager aber über die Zusammensetzung der Aktien entscheidet – man spricht daher vom aktiven Fonds – möchte er natürlich auch bezahlt werden.

Der Manager entscheidet in gewissem Umfang

Der Fondsmanager steht im Umkehrschluss unter Druck, die richtige Entscheidung über die Wahl der angelegten Wertpapiere zu treffen. Denn entscheidet er sich stets für Aktien, die durch fallende Kurse hervorstechen, ist er nicht erfolgreich und wird keine Kundschaft anziehen. Darin liegt ein großer Vorteil des Fonds. Der Anleger muss sich nicht ständig Gedanken über die Wahl seiner Aktien machen – das übernimmt der Fondsmanager für ihn. Insgesamt sollte der Anleger trotzdem überlegen, nach welchen Kriterien er den Fonds wählt. Gibt es einen Fondsmanager, dem er besonders vertraut und der sich schon in der Vergangenheit durch eine glückliche Auswahl von Aktien verdient gemacht hat? Oder setzt er lieber auf einen Fonds, der den Schwerpunkt auf Aktien aus einem besonders stabilen Marktumfeld setzt?

Mit dem Fonds sind die Kursschwankungen geringer, denn die enthaltenen Titel gleichen sich in einem bestimmten Rahmen aus. Dass also ein beträchtlicher Wertverlust eintritt, ist unwahrscheinlicher als beim Kauf einzelner Aktien. Das hat den Preis, dass auch die Gewinne im Verhältnis zur Einzelaktie geringer ausfallen. Denn wenn die Daimler-Aktie – wie in unserem Beispiel – steigt, schmälert die Volkswagen-Aktie, die auch im Fonds enthalten ist, den Gewinn.

Schließlich gibt es natürlich nicht nur Aktienfonds. Auch Rohstofffonds, Immobilienfonds oder eine Mischung aus verschiedenen Anlageformen – die Mischfonds – gibt es. Sie funktionieren im Grundprinzip aber alle gleich.

Und dann gibt es noch die berüchtigten Hedgefonds – und eine momentan sehr beliebte Anlageform: Den Exchange-traded Fund, ETF genannt. Warum der so besonders ist, klären wir in meinem nächsten Beitrag!