Dass Mathematik schon per se spannend ist, sollte man eigentlich nicht extra betonen müssen. Erwähnenswert jedoch ist die Tatsache, dass sich diese Spannung noch steigern und in Literatur umwandeln lässt. Gelungen ist das dem Berliner Forschungszentrum Matheon. Dieses Zentrum für anwendungsorientierte Mathematikforschung hatte in Kooperation mit dem Berliner Krimi-Marathon den Wettbewerb „Unberechenbar“ ausgelobt. Aufgabe für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer war es, den besten Mathe-Kurzkrimi zu schreiben. Mit insgesamt 136 Einsendungen folgten erstaunlich viele Autorinnen und Autoren diesem Aufruf. Aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz erreichten Storys die auslobende Pressestelle in Berlin. Profis und Laien versuchten sich gleichermaßen an dem Erfinden intelligenter Kriminalfälle mit mathematischem Hintergrund und deren spitzfindigen Lösungen. Die unterschiedlichen Beweggründe zur Teilnahme beweisen, dass es nicht nur gelungen ist, schriftstellerisch veranlagte Menschen für mathematische Themen zu gewinnen, sondern umgekehrt auch einige Mathematikerinnen und Mathematiker für das Schreiben literarischer Texte zu begeistern. Die 29 schönsten Geschichten sind bereits in 3. Auflage in einem Buch im Berliner Westkreuz-Verlag erschienen.

Zugegeben, nicht alle abgelieferten Storys sind gleichermaßen gut gelungen. Weit mehr als die Hälfte der Geschichten jedoch kam in die engere Auswahl einer Prämierung. Eine Jury mit dem Mathematiker Prof. Peter Deuflhard, der Mathematikerin Prof. Dorothee Knees sowie dem Verlagsagenten und Mitorganisator des jährlichen Berliner Krimi-Marathons Dr. Patrick Baumgärtel sollte festlegen, wer die vom Matheon ausgelobten drei Preise gewinnen sollte. Kein leichtes Unterfangen und die Jury tagte viele Stunden, um zunächst dreißig Geschichten in die engere Wahl zu ziehen. Schon diese Auswahl führte zu spannenden Diskussionen. Die finale Auswahl für die drei Preise schließlich war einem Krimi vergleichbar. Die unterschiedlichen Argumentationen waren ebenso spannend und erreichten durchaus literarisches Niveau. Letztlich aber konnte man sich dann doch einstimmig auf drei preiswürdige Geschichten einigen. Die Preisträgerin Martina Kleinau (3. Preis) und ihre beiden männlichen Kollegen Dieter Creutzburg (2. Preis) sowie Stephan Hecker (1. Preis) erhielten jeweils einen vom Matheon finanzierten Geldpreis. Außerdem wurden sie zu einer feierlichen Preisverleihung nach Berlin eingeladen. Dort konnten Martina Kleinau und Dieter Creutzburg ihre Geschichten selbst vortragen. Die Gewinner-Geschichte „Täterberechnung“ wurde von der Schauspielerin Ulrike Luderer vorgetragen.

Besonders gefreut hat die Wettbewerbsinitiatoren vom Matheon, dass – außerhalb des offiziellen Wettbewerbs – mit dem siebenjährigen Quentin sogar ein Kind teilnahm. Überraschend war auch die Initiative der Mathelehrerin der 5. und 7. Klasse des Ratsgymnasiums Wolfsburg. Sie nahm den Wettbewerb zum Anlass, im Unterricht Mathekrimis schreiben zu lassen. Die Zeichenlehrerin der Schule ließ dazu die passenden Bilder malen und so entstanden zwei eigenen kleine Krimibände. Quentin und die beiden Wolfsburger Klassen bekamen dafür je einen Sonderpreis.

Wahrscheinlich fragt man sich, was Krimis mit Mathe zu tun haben. Die Antwort liegt auf der Hand: Die Lösung kriminalistischer Fälle hat sowohl in der Realität wie auch in fiktiven Kriminalgeschichten meist sehr viel mit Logik, mit richtiger Kombination oder auch mit der Fähigkeit zum abstrakten Denken zu tun. Sie beinhaltet die Berechnung von Tatzeiten, Wegstrecken oder Schussbahnen. Sie besteht also aus der Verbindung vieler mathematischer Überlegungen und Anwendungen. Mit wenigen Ausnahmen jedoch wird diese Mathematik in Filmen oder Romanen nicht bewusst wahrgenommen und auch nicht als Teil der kriminalistischen Methode erkennbar. Aber, Mathe ist überall. Auch in Kriminalromanen!

Daher war auch eine der Vorgaben zur Teilnahme, dass es nicht reichen würde, Täter, Opfer oder Kommissar einfach zu Mathematikerin oder Mathematiker zu erklären. Die Texte mussten tatsächlich einen mathematischen Inhalt haben und sollten dennoch für ein breites nicht-mathematisches Publikum verständlich sein. Ein guter Krimi eben! Tatsächlich erfüllten zumindest die ausgewählten 30 Besten diese Voraussetzungen hervorragend.

Schade, dass nur drei dieser Storys einen Preis bekommen konnten. So entstand die Idee, die 30 besten Geschichten mit einem Buch zu würdigen. Der Vorstand des Matheon hat dieses Projekt nachhaltig unterstützt. Mit dem Westkreuz-Verlag fand sich schließlich ein alteingesessener Berliner Verlag, der das Buch mit dem Titel „Unberechenbar“ realisierte. Dass am Ende nur 29 Storys in dem Buch vertreten sind, liegt nicht an einem Rechenfehler, sondern daran, dass ein Autor der Veröffentlichung nicht zustimmen mochte.

Unter den also 29 Krimis finden sich solch skurrile Geschichten wie die vom Bankraub, dessen Beute die beteiligten – rechnerisch nicht besonders begabten – vier Gangster mittels Taschenrechner versuchen, gerecht aufzuteilen. Dieser Versuch endet jedoch für alle Vier tödlich. 1742 stellte der Mathematiker Christian Goldbach seine Vermutung auf, dass „Jede gerade Zahl, die größer als 2 ist, die Summe zweier Primzahlen“ sei. Bis heute ist es nicht gelungen, diese Behauptung zu beweisen oder zu widerlegen.

Warum die Lösung der Golbach’schen Vermutung bis heute verschwunden ist, wird ebenfalls im Buch „Unberechenbar“ erklärt. Man vermutet es: Ein Verbrechen und hinterlistiger Mord sind die Ursache. Schließlich erfährt man, wie die Mathematik auch Nicht-Mathematikern im Alltag helfen kann. Der mathematisch nicht sonderlich begabte Kommissar macht sie sich dennoch zunutze, um einen Mord auf einer einsamen Hallig aufzulösen.

Entstanden ist so ein unterhaltsames, abwechslungsreiches und amüsantes Buch, das Mathematik und Kriminalroman vereint und beweist, dass in der Mathematik auch viel Spaß und Spannung stecken.

GEWINNSPIEL:

Die Stiftung Rechnen verlost unter den Einsender*innen der richtigen Lösung fünf Exemplare des Buches „Unberechenbar, Mathematische Kriminalgeschichten“.

Frage: Wie heißen die Kriminalgeschichte und der Autor, die beim Wettbewerb „Unberechenbar“ den 1. Preis gewannen?

Antworten bitte per Mail – unter Angabe des vollständigen Namens und einer Telefonnummer – an kontakt@stiftungrechnen.de.

Einsendeschluss ist der 28.03.2017. Mitarbeiter und Angehörige der Stiftung Rechnen sind vom Gewinnspiel ausgeschlossen.