Ich möchte dir heute zeigen, warum es ein Zeichen dafür sein kann, dass alles richtig ist, wenn du in Mathe scheiterst. Weißt du, jeder scheitert irgendwann in Mathe. Der Trick ist, sich an das Scheitern zu gewöhnen und sich nicht frustrieren zu lassen! Und ja ich sehe, dass es Menschen gibt, die sich einfach nicht für Mathe interessieren. Aber mit etwas Neugier und Begeisterung ist alles so viel einfacher! Und es gibt so viel Spannendes an der Mathematik! Wenn du ihr zuerst etwas Liebe schenkst, dann gibt sie dir auch viel zurück. Wenn du dich mit Mathe auseinandersetzt, dann wirst du schlauer, weil du lernst, kausale Zusammenhänge schneller zu erkennen.

Mathe hat sehr viele Anwendungen – überall! Sehr direkt beispielsweise in der Physik – z. B. in der allgemeinen Relativitätstheorie, die unsere GPS-Geräte ermöglicht, in der Kryptographie, wenn du was googelst. Mathe ist aber an sich erst mal ein Versuch, die Welt besser zu verstehen und Dinge zu erforschen. Wie jede andere Wissenschaft das auch versucht. Und Mathe ist so sehr in der Welt verankert, dass du da einfach schwer drum herum kommst. Also musst du versuchen, mit Mathe klar zu kommen.

Mathe ist auch nicht böse oder gemein. Mathe tut dir nichts. Du kannst dir nur selbst was tun, indem du zu schnell aufgibst oder zu schlecht über dich denkst.

Jeder scheitert!

Es gibt keinen Grund, schlecht über sich zu denken! Die wichtigsten Eigenschaften eines Mathematikers sind: „Neugier und Hartnäckigkeit und ein gewisses Maß an Demut“ sagt Professor Doktor Burkhard Wilking. Denn: „Man rennt ständig gegen eine Wand, durch die man nicht durchkommt. Die meisten Ideen, die man hat, sind falsch.“ Burkhard Wilking gewann den Leibnizpreis, weil er so krass in Differentialgeometrie ist.

Ich habe mich mit ihm getroffen, um über das Scheitern zu reden. Auch Burkhard scheitert in Mathe. Er hat mir erzählt, dass er auch mal eine schlechte Matheklausur hatte und im Studium auch nicht immer alles direkt verstanden hat. Er sagte, er konnte sich zwar schon die Argumentationsstränge merken, aber wirklich genau verstanden hat er einiges erst ein paar Semester später, als er alles nochmal wiederholte. Manchmal braucht man eben einfach ein bisschen Zeit. Es wäre anmaßend zu erwarten, dass man immer alles sofort bis ins Detail durchblickt. Wenn du in der 6. Klasse einmal an einer Textaufgabe scheiterst, heißt das nicht, dass es Zeit ist aufzugeben!

Schlecht in Mathe bedeutet nicht, dass du dumm bist!

Vielleicht denkst du auch: „Oh ich bin nicht gut in Mathe, das heißt, ich bin dumm. Aber das ist ja auch gar nicht so. Mathefähigkeit ist nicht mit Intelligenz gleichzusetzen. Du kannst deine Intelligenz vielleicht etwas trainieren, wenn du dich mit Mathe auseinandersetzt, aber nur weil du gerade nicht so gut in Mathe bist, heißt das nicht, dass du dumm bist. Das heißt nur, dass du dich vielleicht ein bisschen mehr mit Mathe auseinandersetzen musst als andere. Und weißt du was: Wenn du viel arbeitest, dann kannst du dadurch sogar die meisten überholen! In der Schule kannst du mit genug Fleiß fast alles erreichen. Wenn dir so viel Arbeit zu zeitaufwendig ist, dann ist vermutlich ein Nachhilfelehrer oder eine Nachhilfelehrerin sinnvoll.

Achte aber darauf, dass die Person, die dir was beibringen soll, auch weiß wovon sie spricht. Deinen Lehrer oder deine Lehrerin in der Schule kannst du dir natürlich nicht aussuchen. Aber vielleicht liest du das, was du nicht verstehst, dann einfach nochmal selbst in deinem Mathebuch nach. Es kann auch sein, dass dein Lehrer oder deine Lehrerin einfach nicht zu dir passt.

Ich hatte mal eine Vorlesung, in der ich wirklich gar nichts verstand. Dann las ich ein Buch mit dem Stoff und der Autor formulierte das alles so anders und für mich passend, dass mir sofort alles klar war!

Aber nochmal zum Fleiß. Selbst im Studium ist Fleiß sehr wichtig. Hierzu sagt Burkhard: „Es gibt immer ein paar Überflieger. Der Überflieger schlechthin können Sie nicht werden, ohne auch ein ganz großes Talent zu haben. Aber mit Arbeit können Sie natürlich schon sehr viele Leute überholen – den Großteil ihrer Kommilitonen. Wobei gilt: Wenn Sie’s nun gar nicht begreifen, dann ist es schwierig. Aber wenn Sie am Ende der Arbeit die Beweise verstehen, können sie auch ein sehr gutes Mathestudium absolvieren.“ Also schau. Hab einfach Geduld, frustrier nicht schnell, weil scheitern normal ist und beschäftige dich mit den Dingen, die du nicht verstehst. Dann wird alles gut.

Scheitern hat auch positive Seiten!

Zum Beispiel: Du bleibst auf dem Boden und bildest dir nicht ein, du wärst der nächste Grigori Jakowlewitsch Perelman nur weil du im Mathe LK wirklich heftig drauf warst. Generell im Leben wird auch bei dir nicht immer alles sofort klappen. Ein guter Umgang mit Scheitern ist wichtig. Aber auch, weil man nach dem Scheitern nochmal neu anfangen und einen neuen Ansatz finden muss. Dadurch kann man viel lernen. Und vielleicht findest du dann auch ganz neue tolle Zugänge. Burkhard sagt: „Manchmal ist es ja auch interessant, wenn man etwas nicht versteht. Dann deutet das darauf hin, dass da noch irgendwo ein Punkt ist, den man noch verstehen muss, der vielleicht für was anderes wichtig sein könnte. In diesem Fall kann das ja sogar angenehm sein, weil da vielleicht etwas spannendes hinter steckt.“ Außerdem ist es immer eine größere Freude, wenn man eine Aufgabe löst, an der man zuerst etwas knobeln musste. Also mach das!

Wenn du scheiterst, ist alles richtig!

Eigentlich ist nur dann der Schwierigkeitsgrad der richtige, wenn du gezwungen bist, lange zu knobeln. Der bekannte Philosoph Henry David Thoreau sagt es so: „In the long run men hit only what they aim at. Therefore, though they should fail immediately, they had better aim at something high.”

Denn das ist eben das Ding, weißt du, wenn du nun nicht scheitern würdest, das wäre schlecht! Denn dann wäre das Niveau zu niedrig. Und dann würdest du dich vielleicht dem niedrigem Niveau anpassen und irgendwann fändest du dann auch das schwierig und dann müsste das Niveau wieder runter und du wärst auf einer Abwärtsspirale. Du willst aber die Aufwärtsspirale und irgendwann tanzt du mit den Sternen. So willst du das!

Du selbst musst Mathe wollen!

Aber eigentlich will ich dir auch gar nicht sagen, dass du mit den Sternen tanzen musst. Ich will dir auch nicht sagen, dass dein Leben nicht funktioniert, nur weil du 1/ln(x) nicht integrieren kannst. Mathe ist gut und wichtig und ist wirklich überall. Aber letztlich liegt es an dir, ob du Mathe willst oder nicht. Vielleicht kannst du herausfinden, warum du Mathe tief in dir drin willst. Ich will Mathe tief in mir drin, weil Logik so wundervoll ist und ich das alles, alles, alles verstehen will! Ich kann nicht akzeptieren, wenn ich etwas nicht verstehe. Das ist dann, als hätten alle Geheimnisse vor mir!

Und wenn du dein „Warum“ gefunden hast, dann fang einfach an zu arbeiten und höre nicht auf. Hör einfach nicht auf! Wenn du nicht aufhörst, hast du auch gar keine Zeit dich zu frustrieren. Und wenn du doch aufhörst, na gut. Dann kannst du ja morgen oder übermorgen weitermachen. Schlimm ist das auch nicht. Wichtig ist eigentlich nur, dass du nicht ganz aufgibst. Auch für dich gibt es einen Weg, anständige Mathefähigkeiten zu erkämpfen.