Wer spielerisch zigtausende nichtlineare Situationen durchlebt hat, versteht manch mathematischen Aspekt der aktuellen Lage um Corona nicht nur kognitiv. Für Entscheider am Pokertisch fühlt sich exponentielles Wachstum normal an:

Ein Pokerturnier beginnt jeder mit gleich vielen Chips.

Waren es zu Beginn etwa 10.000 und man verdoppelt, so sind es fortan 20.000.
Der Sprung auf 40.000 ist dann nicht etwa doppelt so weit – nein, es ist „nur“ ein weiterer „Verdoppler“.
Weiters ist zu beachten, dass das Risiko des Ausscheidens durch den Sprung von 10.000 auf 20.000 nicht etwa halbiert wurde. Es blieb eher konstant, denn beim nächsten Versuch zu verdoppeln, ist man wohl wieder „sterblich“. Analoges wird auch für spätere Situationen gelten, wenn man etwa bei 160.000 steht und zum Sprung auf 320.000 ansetzt…

Der Mensch hat gemeinhin kein Gefühl für nichtlineares Wachstum. Auch das macht die derzeitige Situation so schwierig, insbesondere weil man den „kleinen“ Schritten früher Phasen gern zu wenig Beachtung schenkt:
Ob man am Pokertisch gut startet und früh 10.000 in 13.000 verwandeln konnte – oder aber schlecht startet und deswegen „nur“ 7.000 hält, entspricht einem absoluten Unterschied von 6.000. Diese 6.000 werden in späteren Turnierphasen „Peanuts“ sein. Warum sich also deswegen schon stressen?

Weil man aus 7.000 erst 14.000, dann 28.000, dann 56.000 dann 112.000 und dann 224.000 (blau im Bild) macht, während man aus 13.000, erst 26.000, dann 52.000, dann 104.000, dann 208.000 und dann 416.000 (gelb im Bild) machte!

Alles, was man zu Beginn einer Unternehmung gut oder eben schlecht macht, potenziert sich im Laufe der Zeit.

Solches sollten wir besser verstehen lernen. Dann ist viel gewonnen; nicht nur, aber gerade heute.