These are questions for wise men with skinny arms, sagt Khal Drogo in Game of Thrones und tut so, als würden Weisheit und Muskeln sich ausschließen. Dabei ist das gar nicht so! Schon ganz früher wussten die Menschen, dass es für den Geist gut sein könnte, den Körper zu trainieren. Also dass das eine nicht so gut ohne das andere geht. Kierkegaard sagt zum Beispiel: Verzweiflung ist das Missverhältnis im Verhältnis einer Synthese, das sich zu sich selbst verhält. Und will damit sagen: Körper und Geist sollten im richtigen Verhältnis zueinander stehen! Ich möchte heute erzählen, warum Mathekenntnisse dir beim Muskelaufbau helfen und warum ein starker Körper hilfreich ist, um besser Mathe machen zu können.

Warum Mathe gut für deinen Muskelaufbau ist!

Natürlich kann man auch Muskeln aufbauen, ohne sich mit Zahlen zu beschäftigen. Allerdings ist dann alles viel kniffliger und wer nicht von Natur aus ein gutes Gefühl für die Sache mitbringt, könnte nach kurzer Zeit ziemlich frustriert sein. Mathe kann dir auf so vielen Ebenen so viel helfen! Ich habe mit Malte Beckmann über das Thema gesprochen. Malte Beckmann ist der deutsche Vize-Meister im Natural Bodybuilding, hatte auf seinem letzten Wettkampf nur noch einen Körperfettanteil von 5% und kann – obwohl er nicht auf Kraft, sondern auf Muskeln trainiert – 200kg squatten. Außerdem machte er seinen Bachelor in Biologie und Sportwissenschaft. Man kann also sagen: Malte weiß schon ein bisschen Bescheid! Ich habe Malte gefragt, inwiefern in seiner Ernährung und bei seinem Training Zahlen eine Rolle spielen. Malte meint:

„Um ganz ehrlich zu sein, Zahlen bestimmen meine Ernährung, zumindest in der Wettkampfvorbereitung. In dieser Phase ist genauestens festgelegt, wie viel Gramm Eiweiß, Fette und Kohlenhydrate ich zu mir führe und an diese Zahlen halte ich mich tagein tagaus, um meine Körperkomposition im Sinne meiner Sportart Natural Bodybuilding zu optimieren. Auch mein Training enthält viele Zahlen. Ich führe genau Buch darüber, wie viele Sätze ich pro Training mache, wie viel Gewicht ich bewege, für wie viele Wiederholungen und was für Pausenzeiten ich einhalte. Klar könnte man auch weniger systematisch an das Training herangehen, aber ab einem gewissen Leistungsniveau ist ein Training nach Zahlen unumgänglich, zumindest zu großen Teilen.“

Natürlich heißt das nicht, dass du jetzt plötzlich anfangen musst, alles genau zu berechnen und dein ganzes Leben nur noch nach den Zahlen zu leben. Natürlich kannst du auch ohne Zahlen Sport machen. Natürlich ist es so, wie Malte weiter berichtet:

„Die Balance besteht darin, immer auf seinen Körper zu hören und danach zu richten, was mir Spaß macht. Fitness sollte immer eine Bereicherung des Lebens sein, das heißt wenn ich merke, die Zahlen in Ernährung und Training fallen mir zu Lasten und nehmen mir ein wenig die Freude an dem Ganzen, sollte man definitiv einen Gang zurückschalten. Auch hier muss natürlich nur wieder differenziert werden zwischen Leistungssport und anderen Motiven.“

Aber es ist so: Wenn du jetzt wirklich unfassbar gern Muskeln aufbauen willst, aber einfach nicht vorankommst, dann solltest du eben – bevor es dich frustriert und du einfach aufgibst – mal über Zahlen nachdenken. Das bedeutet: Herausfinden, wie du deine Ernährung und dein Training gut strukturieren kannst.

Jetzt wäre es natürlich spannend zu wissen, wie du dein optimales Training und deine optimale Ernährung berechnen kannst. Aber so einfach ist es leider nicht. Auch wenn man im Internet immer wieder Ernährungs- und Trainingspläne findet, die sagen: „Entdecke diesen merkwürdigen alten Trick und du wirst nicht glauben, wie krass du dann wirst!“. So ist das nicht. Es gibt nicht einen Trick, der bei jedem funktioniert. Alle Menschen sind so sehr unterschiedlich, dass es unfassbar schwierig ist, allgemeine Aussagen zu treffen. Das erste, was du tun musst, ist, dich selbst und deinen Körper kennenzulernen und dich ganz viel in die Sachen einzulesen. Und erst nachdem du ganz viel ausprobiert hast, kann man sagen, was für dich genau das Richtige ist. Malte sagt dazu:

„Klar kann man sagen: jeder Mensch profitiert von x Gramm Eiweiß pro kg Körpergewicht oder von mindestens y Trainingseinheiten pro Woche. Aber auch hier gilt: wenn es einem keine Freude bereitet, hilft es leider nicht viel, das Optimum zu kennen. Das Optimum ist schlussendlich immer die Schnittmenge von dem, was die Wissenschaft sagt und dem, was man gleichzeitig kontinuierlich umsetzen kann.“

Und das macht es ja gerade so spannend! Bei jedem Menschen funktioniert etwas anderes am besten. Und wie aufregend ist es, herauszufinden, was bei einem selbst funktioniert. Superaufregend!

Nicht nur in der Strukturierung von Training und Ernährung, sondern auch in der Ausführung von Übungen ist Mathe hilfreich. Und nun eine Hurra-Nachricht: Bei der Übungsausführung gibt es Formeln, die jeder anwenden kann! Da geht’s nämlich einfach nur um Geometrie und die Hebel-Gesetze der Physik! Aber natürlich Obacht: Andere Anatomie bedeutet andere Hebel. Bei jedem Menschen sieht jede Übung am Ende etwas anders aus. Aber wie sie bei dir auszusehen hat, das kannst du eben herausfinden. Hier ein Beispiel. Es geht um die Kniebeuge (Squat). Du willst die Stange immer über der Mitte deines Fußes haben. Und du möchtest deinen Po etwas tiefer als deine Knie haben – sonst ist es nämlich im Wettkampf keine gültige Kniebeuge! Die Winkel zwischen Unter- und Oberschenkel und Oberschenkel und Oberkörper sollen gleich sein. Es gibt zwar auch Leute, die das etwas anders handhaben, aber für Anfänger ist das erstmal eine gute Orientierung. Nun ergeben sich natürlich andere Formen, je nachdem, ob du eher lange Beine oder eher kurze Beine hast. Schau hier:

Was können wir zusammenfassend sagen. Malte sagt:

„Gerade Anfänger als auch SEHR fortgeschrittene Athleten profitieren in meinen Augen von einem sehr strukturierten und sozusagen zahlenreichen System, um einen Überblick zu bekommen, worauf es ankommt. Wenn man allerdings erst einmal ein Gefühl dafür entwickelt hat, kann man auch einige Zeit ohne auskommen, bevor es dann schlussendlich wieder zum limitierenden Faktor wird, wenn man keine genaue Übersicht mehr hat.“

Also: Wenn du gerade anfängst, richte dich am besten erstmal etwas nach Zahlen. Aber nur soweit, wie es dir Spaß macht. Danach kannst du auch alles wieder etwas lockerer angehen, es sei denn, Optimierung ist für dich ein so großes Abenteuer, dass du das wirklich gern fortführen möchtest. Und falls du wirklich höchste Ziele hast, so wie Malte, ist es sogar auch wichtig, dass du auch etwas Spaß an Zahlen hast.

Warum Sport gut für dein Mathe-Game ist!

Nun ist es aber auch so, dass Sport dir bei Mathe helfen kann! Das denken viele ja erstmal gar nicht so! Aber ich selbst kann bestätigen: Ist so! Jeder, der schon mal etwas sehr, sehr Schweres möglichst elegant hochheben wollte (oder ein dreifaches Salto machen wollte, oder über etwas sehr Hohes springen wollte, …) der weiß, wie viel Konzentration das erfordert. Nun ist die Art der Konzentration aber schon ein bisschen anders als die, die man braucht, um ein schweres mathematisches Problem zu lösen. Aber gerade deshalb, lernt man so viel mehr über die Konzentration an sich! Mir hat das sehr geholfen. Aber genug von mir. Ich bin ja noch gar keine richtige Mathematikerin, sondern immer noch nur Studentin. Ich habe mit jemanden gesprochen, der schon etwas weiter ist. Marcel Wunderlich promoviert gerade in Mathematik (Differentialgeometrie) und ist nebenbei Kraftdreikämpfer (Powerlifter). Er schaffte es, seinen Master mit einer 1 vor dem Komma abzuschließen und über 200kg zu heben! Ich habe Marcel gefragt: „Wie oder wieso hilft dir Powerlifting bei Mathe?“ Hier seine Antwort:

„Kraftsport ermöglicht mir überhaupt erst, wie ein normaler Mensch zu schlafen. Weiter bin ich dadurch frei von irgendwelchen besorgniserregenden gesundheitlichen Beschwerden wie Rücken- und Knieschmerzen, Untergewicht oder Fettleibigkeit. Dann hat es halt noch psychologische Benefits: einerseits ist es einfach ein guter Ausgleich und ein spannendes Hobby, andererseits sind Fortschritte vergleichsweise schnell und vor allem objektiv (Kilos sind Kilos) sichtbar, so dass die Relation „Disziplin und planvolles Vorgehen = Erfolg“ verstärkt wird, während bei Mathe selbst der Erfolg nicht so greifbar ist (Aha-Momente sind zwar schön, aber schwammig) und manchmal auch erst nach langer Zeit sichtbar.“