Kann er denn nicht zählen, der Herr Mathematiker? Es geht doch um vier und nicht drei Parteien, die sich gerade über mögliche Machtkonstellationen auszutauschen haben!

Modelliert man die Situation spieltheoretisch, liegt Spielzug eins recht klar auf der Hand: Grün-Gelb sollte sich verständigen. Nach erfolgter Einigung sollte es dann in potenzielle Endverhandlungen gehen: Ampel oder Jamaika.

Genau dieses zeichnet sich auch in Wirklichkeit ab. Das Spiel beginnt!

Es ist nicht nur ein wichtiges Spiel um unser aller Zukunft – und genau an dieser Stelle ist der Begriff Spiel auch höchst problematisch: Denn als Spiel sollte wirklich keiner der Protagonisten betrachten, was er/sie in der kommenden Zeit alles denken, reden und entscheiden wird. Spannend ist es aber allemal:

Anders als in Duellen, wo sich definitionsgemäß Favoriten häufiger durchsetzen als Herausforderer, können Trielle am Grundsatz von „Survival of the Fittest“ gern mal vorbeisegeln. Schöße man etwa mit Pistolen zu dritt aufeinander, wäre es durchaus „um des eigenen Überlebens willens“ rational logisch, zuerst auf den vermeintlich gefährlichsten Gegner zu schießen – oder gar in die Luft! Denn ist man selbst maximal offensichtlich nicht die größte Bedrohung, so macht es für die beiden anderen Sinn, sich zunächst „umeinander zu kümmern“…

Das Spiel ist also deutlich offener bzw. verläuft gänzlich anders als wir Zuschauer klassische Auseinandersetzungen gewohnt sind. Schauen wir Fußball, Basketball oder Tennis, haben wir eine Meinung zu Stärke und Verhältnis der Protagonisten. Und diese ist geprägt von der Vergangenheit. Ob nun bewusst oder unbewusst, man erstellt ein Ranking. Wer ist besser oder schlechter? Und entsprechend entstehen Erwartungshaltungen vor der ersten Spielminute…

Mit Triellen aber haben wir größtenteils keine Erfahrung. Umso wichtiger ist es für alle, wenn man die Basismechanismen spielerisch durchdenkt. Das hilft den Akteuren im Handeln, den Medien beim Berichten und uns Bürgern im Nachvollziehen, „was hier eigentlich gerade gespielt wird“.

Mein Rat an alle Seiten lautet deswegen: seid freundlich. Bietet an. Seid bereit zum Geben. Zeigt Verzichtbereitschaft. Wer hier am Passgenauesten geben kann, der wird letztlich auch am Meisten erhalten. Das ist kein gutmenschliches Gerede, sondern klare Wettkampfstrategie für diese Situation.

Spielsystemisch halte ich es für einen strategischen Fehler, wie Rot und Schwarz einleitend übereinander kommunizieren. Vermutlich schwingt da noch etwas Wahlkampfgehabe mit, ist nun aber am Thema vorbei. Denn ganz klar gilt: Je größer die Ablehnung von Rot-Schwarz, desto größer die Macht von Grün-Gelb. Trielle werden gut gespielt, wenn ein Gleichgewicht von Drohungen quasi im Kreis zirkuliert. Entzweien sich zwei der drei Spieler zu früh zu eindeutig, so weiß der lachende Dritte nur allzu deutlich, dass er „spielentscheidend“ ist und darf entsprechend selbstbewusst, ja fordernd auftreten.

Denke ich solches zu Ende, ziehe ich folgendes persönliches Fazit:

Rot-Schwarz wird es nicht werden. Da ist wohl augenscheinlich zu viel bereits „passiert“. Dazu steht dem vermeintlich auch zu viel Ego entgegen. Und nicht zu vergessen: für die breite Masse würde es überdies viel zu sehr an ein weiteres „Weiter so“ erinnern, was sich keine der beiden ehemals klassischen Volksparteien mehr leisten wollen dürfte.

Die Ampel würde vieles richten bzw. viele eingefahrene Rollenbilder spannend neu besetzen. Die SPD als Anführer könnte zeigen, dass man im Juniorstatus (teils) unverschuldet in einen Abwärtstrend geriet. Grüne wie Gelbe in gestaltender Rolle dürften beide in Taten unterfüttern, wovon sie seit Jahren reden. Und nicht zuletzt fände die Union in der Opposition vielleicht einerseits die Kraft für Erneuerung als auch Einsicht und Demut.

Jamaika fände ich demnach persönlich nicht ganz so gelungen, ist aber realpolitisch vielleicht sogar der heimliche Favorit dieses Spiels. Denn ins Skillset, was man hier und jetzt braucht, um im Triell zu bestehen, passt ein Armin Laschet von Natur aus wohl am allerbesten.