Was haben wir für ein Glück, in dieser Zeit in diesem Land leben zu dürfen. Dieses Glück überstrahlt alles. Und es verpflichtet. Wir sollten stets bemüht sein, „das Richtige“ zu tun oder zumindest umsichtig zu entscheiden. Denn wir haben die Wahl. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Achten wir sie und versuchen wir, dieses Geschenk der Freiheit an unsere Lieben weiter zu tragen. Mehr wird nicht drin sein.

Merkel vs. Schulz habe ich angesehen. Den Fünfkampf auch. Die Schlagzeilen von Bild bis Spiegel nehme ich wahr, manches lese ich an, weniges zu Ende. Doch für die möglichst bewusste Platzierung meiner Kreuzchen hat mich bislang der Wahl-O-Mat am maßgeblichsten vorbereitet. Er hat Fragen aufgeworfen, mir Entscheidungen abverlangt.

Mit der ersten Frage kommt die direkte Erkenntnis, dass es sich um 38 Aussagen drehen wird, die ich mit „stimme zu“, „stimme nicht zu“ oder „neutral“ beantworten werde. Klingt machbar. Motiviert und in der Überzeugung, zu allen Themen eine Meinung zu haben, lese ich den Inhalt. „Bei der Terrorismusbekämpfung soll die Bundeswehr im Inland eingesetzt werden dürfen.“ Oh nein! Verschiedenste Impulse zucken durchs Gehirn. Militärstaat – Wo beginnt und endet Terrorismusbekämpfung? – Köln – Berlin – Entlastung der Polizei – Sinnvolle Nutzung aller Einsatzkräfte… Etwas beschämt starte ich also mit einem Klick auf „neutral“.

So manches Mal sollte es mir noch ähnlich ergehen. Oft allerdings habe ich auch eine Meinung. Besonders wohl fühle ich mich immer dann, wenn mein erster Impuls mit meinem Versuch einer größeren Einbettung übereinstimmt. Dann bin ich überzeugt dafür – oder eben dagegen. So freut es mich am Ende besonders, dass man sein Ergebnis durch das Setzen persönlicher Schwerpunkte noch feinjustiert.

Dann steht sie. Meine „Meinung“. Als Mathematiker sowie als Pokerspieler liegt es mir im Naturell, die Vorzüge und auch die Grenzen dieser Modellierung meiner politischen Gedanken zu hinterfragen.

Mir gefällt der Wahl-O-Mat. Er leistet, was er soll. Super-kompakt bündelt er sehr viele Informationen, gibt einen Überblick und bleibt in weiten Zügen transparent. So bleibt die Verantwortung beim Nutzer. Es liegt an mir, die Fragestellung komplett zu erfassen und umsichtig zu reagieren. Auch liegt es an mir, mein Ergebnis sinnvoll zu deuten. Man kann, so wie bei jeder statistischen Mittelwertbildung, im absoluten Ergebnis Nähe zu etwas haben, was man im Detail kaum trifft. Ein klassisches Beispiel ist die mittlere Augenzahl beim Werfen eines Würfels: 3,5. Das habe ich konkret für den jeweiligen Wurf noch nie so hinbekommen…

So sehe ich mir also die Entscheidungen der für mich nun in Frage kommenden Parteien an. Wie entscheiden sie sich im Einzelfall, wo kann ich folgen, wo kommen wir überein, wo nicht, wo ist evtl. sogar ein unvereinbarerer Gegensatz zu sehen?

Ich kann und werde meine Kreuze am 24.9.2017 nun bewusst setzen. Dabei hat mir der Wahl-O-Mat geholfen. Besonders dankbar aber bin ich für Lektionen, die ich gar nicht erwartet hatte, als ich ihn aufgerufen habe.

Ich habe mir in den wenigen Minuten, die ich mit ihm verbracht habe, bewusst gemacht, was ich in welchen Punkten aktuell tatsächlich denke, wo ich glaube gut urteilen zu können, wo nicht. Das lässt mich tiefen Respekt für die täglichen Aufgaben derer empfinden, die z. B. im Bundestag abstimmen. Sie können auch nicht immer und überall wissen, was wirklich gut sein wird. Aber sie müssen eben eine Entscheidung treffen – und dazu stehen. Für uns alle.

Es liegt in der Natur der Sache, dass man in schwierigen Positionen auch mal im Ergebnis falsch liegen kann. Kritik an Ergebnissen ist dabei fehl am Platz. Die Kritik muss an der Entscheidungsqualität angesetzt werden. Wem traue ich heute zu, dass er etwas Sinnvolles über das Morgen aussagt bzw. die richtigen Weichen zu stellen vermag? Man hat sich – gerade in der Politik – zu entscheiden, ehe alle Karten auf dem Tisch liegen. Da braucht es manchmal auch nichts anderes als etwas Fortune, um im Ergebnis gut dazustehen. Ich halte mich an die, denen ich zutraue, mit maximal wenig Glück solide auszukommen.Und allein das ist ein Privileg. Wir dürfen konservativ denken, weil es uns so gut geht. Wir müssen in unserem Alltag, in unseren Entscheidungen vergleichsweise wenig riskieren. Alles ist quasi schon da. Wir müssen es nur bewahren. Bleiben wir dankbar für diese Position und gehen wir verantwortlich mit ihr um. Es ist das Privileg eines Siegers, dass er viel zu verlieren hat.