Elf Freunde müsst ihr sein, heißt es im Fußball. Natürlich kann man im modernen Fußball darüber nachdenken, ob dieser romantische Satz nicht vollkommen „old fashioned“ ist. Aber darum soll es hier gar nicht gehen, sondern beispielsweise um die Frage: Warum 11? Hat diese Zahl etwas Besonderes zu bedeuten? So wie viele Zahlen, die in unserem Leben immer wieder vorkommen und denen eine mystische Kraft zugesprochen wird. Denken wir nur an die 13.

Noch immer verzichtet die Deutsche Bundesbahn mit Rücksicht auf ihre KundenInnen auf Waggons mit der Nummer 13. So konsequent, den Bahnverkehr am Freitag den 13. ganz einzustellen, ist sie allerdings nicht. Es gibt auch keine Statistik, ob an solchen Tagen das Passagieraufkommen erheblich geringer ist. Mehr passiert an solchen Tagen jedoch offensichtlich nicht. Sicher ist dagegen, dass die Furcht vor einem Unglück im Zusammenhang mit der 13 sogar zu schweren psychischen Erkrankungen führen kann, Triskaidekaphobie genannt.

In den USA ist es üblich, das 13. Stockwerk mit 12A zu bezeichnen. In Neuseeland werden Büros im 13. Stockwerk oft nur an staatliche Einrichtungen vermietet, weil Unternehmen glauben, die Zahl würde sich negativ auf ihr Geschäft auswirken. In der Formel 1 und bei anderen Motorsportveranstaltungen gibt es keinen Starter mit der Nummer 13 und ähnlich wie bei der Bahn wird auch auf Kreuzfahrtschiffen oder in Flugzeugen auf die 13. Sitzreihe oder das 13. Deck verzichtet.

Was also hat es tatsächlich auf sich mit dieser Unglückszahl 13? Was bedeuten solche mystischen Zahlen überhaupt, woher kommt der Glaube an sie, der durch nichts zu erschüttern ist?

Mathematisch gesehen ist die 13 die zwischen 8 und 21 liegende Zahl der Fibonacci-Folge, ebenso die Anzahl der archimedischen Körper oder auch die sechste Primzahl. In der Mystik ist die 13 die wohl bekannteste Zahl, die Unglück bedeutet und häufig als „des Teufels Dutzend“ bezeichnet wird. Begründungen hierfür lassen sich reihenweise finden. Die Zahl überschreitet beispielsweise das harmonische Zwölfersystem, das sich etwa in der Anzahl der Stunden, Monate, Tierkreiszeichen und Jünger Jesu spiegelt. Kommt der schlechte Ruf also daher, weil beim letzten Abendmahl zwölf Jünger und Jesus am Tisch saßen, also 13 Personen und der 13. Anwesende der Verräter Judas war? Beim Tarot, der Weissagung mittels Karten, wird die Todes-Karte durch die 13 repräsentiert, wobei der Tod für das gefürchtete oder ersehnte Ende einer Situation steht, aber auch für das Ableben selbst. Auch in der heidnischen Mythologie kommt der 13. Gast als Unglücksbringer vor. Als der betrügerische Gott Loki in der nordischen Edda-Prosa unerwartet beim Mahl der zwölf Götter im Kriegerparadies Walhalla auftauchte entbrannte ein heftiger Streit. Als Folge davon starb der Gott der Schönheit und Liebling der Götter Baldur und über die Erde legte sich eine große Dunkelheit. Es könnte aber auch sein, dass das schlechte Image der Zahl mit der Verbrennung am lebendigen Leib der letzten 13 Tempelritter zusammenhängt. Mit dieser Greueltat wurden die Kreuzzüge beendet. „Schuld“ könnte auch noch der Mondkalender sein, denn in manchen Jahren gibt es statt zwölf dreizehn Vollmonde und das bringt die Abfolge der kirchlichen Feiertage durcheinander.

Aber nicht überall ist die 13 ein Unglücksbringer! In der jüdischen Tradition beispielsweise gilt die 13 als eine glückbringende Zahl und symbolisiert den Namen Gottes. Die 13 Eigenschaften Gottes werden im jüdischen Gebetbuch Siddur als 13 Middot wiedergegeben. Bei den Maya in Südamerika gab es 13 Himmel. Im indischen Pandschab wird die Zahl wie „tera“ ausgesprochen, was übersetzt „Ich bin dein“ bedeutet. Im Hinduismus wird 13 Tage nach einem Todesfall ein Festschmaus veranstaltet, um den Verstorbenen ewigen Frieden zu geben. In der portugiesischen Stadt Fatima erschien 1917 angeblich die Jungfrau Maria sechs Monate lang an jedem 13. Noch heute pilgern viele Katholiken nach Fatima, weil sie an die wundersame Heilung ihrer unterschiedlichsten Krankheiten hoffen. Und auch in Italien ist die 13 eine Glückszahl.

Mag die 13 auch die bekannteste mit Pech oder Unglück verbundene Zahl sein, so hat sie durchaus Konkurrenz bekommen. Auch in der jüngsten Vergangenheit. Erst seit knapp fünfzig Jahren gilt die 23 als Unglückszahl. Auslöser war der US-amerikanische Schriftsteller William Burroughs mit seiner Kurzgeschichte „23 Skidoo“. Er konnte eine Anzahl von Unglückfällen in Beziehung zur 23 aufzählen: Nach 23 Jahren unfallfreien Jahren sank ein Schiff, ein Flugzeug mit der Flugnummer 23 stürzte ab und das Datum des Anschlags auf das World Trade Center am 9.11.2001 in New York ergibt die 23, wenn man die einzelnen Zahlen zusammenzählt.

Ausgangspunkt für den Schriftsteller war der aufklärerische Geheimbund der „Illuminaten“, der 1776 in Ingolstadt von dem Juraprofessor Adam Weishaupt gegründet worden war. Ziel der Illuminaten war es, durch Wissen die Herrschaft der Menschen über Menschen überflüssig zu machen. Dabei sollte die „geheime Weisheitsschule“ so funktionieren, dass jeder nur unter seinem Decknamen auftrat und niemals mehr als drei andere Personen vom Orden der Illuminaten kannte. Die Zahl 3 hatte eine immer wiederkehrende Bedeutung bei dem Bund, die 23 tauchte nur bei der Beschäftigung Weishaupts mit den Mysterien von Eleusis auf, die am 23. Boedromion endeten. Diese Mysterien von Eleusis wurden vor mehr als 3000 Jahren in Griechenland gegründet. Aufgenommen werden konnte, „wer nie das Blut eines Mitmenschen vergossen hatte und fähig war zu schweigen.“ Der Kult war der bedeutendste der griechischen Geheimkulte der klassischen Zeit. Er sollte dem Eingeweihten Licht und Erkenntnis vermitteln.

Ein weiteres Beispiel für solche – sicherlich oft weit hergeholten – Zahlenauffälligkeiten, aber auch deren schrecklichen Auswirkungen ist der österreichische Physiker Wolfgang Pauli. Er war davon überzeugt, dass seine Unglückszahl die 137 ist. Diese Zahl war häufig Gegenstand seiner belastenden oder gar Alpträume. Daher begab er sich in psychoanalytische Behandlung bei Carl Gustav Jung, Psychiater und Gegenspieler Sigmund Freuds. Befreit von diesem Fluch wurde er dadurch nicht, Pauli starb in einem Krankenhaus in Zürich, im Zimmer 137.

Soweit für’s Erste. Es gibt noch unzählige weitere Beispiele für mystische Zahlen. Einige davon werden wir in einem weiteren SUMMA-Beitrag in Kürze beleuchten.