Sie sind Schüler der 8a, es ist die fünfte Stunde und sie zieht sich wie Kaugummi. Geschichte. Und Sie – Sie langweilen sich. Das Thema lautet „Die französische Revolution“. Ihr Sitznachbar wird aufgefordert, eine Quelle vorzulesen, die von einem Zeugen stammt, der den Sturm auf der Bastille „hautnah“ miterlebt hat. Bedächtig lauschen Sie mit mäßigem Interesse Ihrem Sitznachbarn und sind gedanklich schon beim nachmittäglichen Fußballspiel gegen die Parallelklasse.

Wie aus weiter Ferne hören Sie die monotone Stimme … „als am Dienstag, den 14. Juli 1789, der Sturm losbrach…“. Hoppla, was ist da los? Steht das wirklich so im Buch? Seltsam, sind doch die Wochentage zu den Geschichtsdaten doch meistens nicht erwähnt. Egal, … ob der Torwart der 8b schon wieder einsatzbereit ist?

Ihr Zurücksinken in erneutes Desinteresse ist nicht von langer Dauer, denn der Nachbar referiert weiter: „Die französische Verfassung vom Samstag, dem 3.9.1791…“

Sie denken im ersten Moment nur „Herrje, wer um Himmels Willen bringt denn an einem Samstag eine Verfassung auf den Weg? Da ist doch Fußball!“ Und im zweiten Moment wird der Gedanke etwas klarer: „Hey, die Wochentage stehen doch nicht etwa wirklich mit im Text? Wen interessiert denn sowas?“

Sie blättern hektisch im Buch nach. Wie erwartet, es wird dort kein Wochentag genannt. Und ein Seitenblick auf den scheinbar eifrig vorlesenden Nachbarn verrät Ihnen, dass dieser sich köstlich amüsiert. Die Restklasse verharrt in der automatisierten Lethargie. Lesen die denn nicht mit? Auch aus dem Gesichtsausdruck des Lehrers können Sie kaum schlau werden. Es kann doch nicht sein, dass nur Sie erkannt haben, dass die Zeile in der Original-Quelle „als am 14. Juli 1789 der Sturm losbrach“ lautet und dass auch der Samstag im zweiten Datum nicht im Text auftaucht.

Eines kann ich Ihnen versichern, so wie ich damals in meiner Schulzeit in allen Fächern die Daten inklusive der nicht im Buch abgedruckten Wochentage vorlas, so hat Ihr Sitznachbar (in Ihrer Vorstellung oben) mit Bravour den „ewigen Kalender“ verinnerlicht. Vielleicht hat er – wie viele andere auch – an einem meiner Workshops teilgenommen, vielleicht hat er ihn aber auch selber für sich entwickelt – so wie ich damals eine von vielen Möglichkeiten des Kalenderrechnens in der Schule für mich entdeckt hatte, um die Zeit zwischen den Pausen zu überbrücken.

(Übrigens mache ich mir den Spaß heute noch und überprüfe Daten, die mir beispielsweise in Romanen begegnen.)

Es gibt eine ganze Reihe von Wegen, wie man auf das gewünschte Ergebnis kommen kann. Ich selber verwende häufig folgende Methode, die man im Buch „Rechnen mit dem Weltmeister“ noch detaillierter nachlesen kann und die für jedes Datum, ganz gleich aus welchem Jahrhundert in Vergangenheit oder Zukunft, anwendbar ist. Schließlich wollen wir ja zwecks der Planungssicherheit rechtzeitig wissen, auf welchen Wochentag unser tausendster Geburtstag fällt, oder nicht? Oder wir können der Oma an ihrem 95. Geburtstag vor der staunenden Gästeschar verkünden, dass sie ein Sonntagskind ist.

In meinen Workshops geht es für die Teilnehmer darum, aus einer Vielzahl von Angeboten mittels eigenständigem Denken, die für die Aufgabenstellung geeigneten Instrumente geschickt zusammenzustellen. Das Ziel für die Teilnehmer soll es sein, die Aufgabe so schnell wie möglich zu lösen – am besten im Kopf ohne Aufschreiben. Frei nach dem Motto „selber denken rockt!“ von Immanuel Kant (Samstag, 22.04.1724 – Sonntag, 12.02.1804). Na gut, tatsächlich drückte er sich etwas anders aus und sagte „Sapere aude“ – „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“

  1. Wenn Sie – ganz einfach – die sieben Tage einer Woche mit den Ziffern 0 bis 6 gleichsetzen, haben Sie den ersten Schritt getan. Zum Beispiel: Samstag = 0, Sonntag = 1, usw. bis Freitag = 6. Wir werden später ein Ergebnis zwischen 0 und 6 erhalten und müssen dann damit aus dieser Tabelle nur noch den richtigen Wochentag ablesen.
  1. Jeden Monat (von Januar bis Dezember) verbinden Sie ebenfalls mit den Zahlen von 0 bis 6. Zum Beispiel: Januar = 1, Februar = 4, März = 4, April = 0, Mai = 2, Juni = 5, Juli = 0, August = 3, September = 6, Oktober = 1, November = 4 und Dezember = 6. „Quartalsweise“ haben Sie dann 144, 025, 036 (sogenannte Quadratzahlen) und 146.
  1. Sie müssen mit sogenannten Siebener- oder – besser – „Wochenresten“ etwas rechnen können. Beispiel: 66 Tage sind 9 Wochen und 3 Tage bzw. der Siebener-Rest von 66 beträgt 3. Für alles Weitere braucht Sie nur der Wochenrest zu interessieren. Er ist nie größer als 6 Tage.
  1. Sie benötigen ein sogenanntes „Ausgangsjahr“: Bei mir ist es das Jahr 1900 (übrigens kein Schaltjahr).
  1. Jetzt „fügen Sie die Schnipsel zusammen“. Wir zeigen es am Beispiel meines Geburtstages:

Der 26. Mai 1966 war ein ?

Sie rechnen: Siebener-Rest (26 (= Tag) + 2 (= Mai-Ziffer) + 5 (5 „12-Jahresblöcke“, die den Zeitraum von 1900 bis 1960 abdecken) + 6 (6 Jahre fehlen von 1960 bis 1966) + 1 (es gab von 1960 bis 1966 (ohne 1960 selbst) ein Schaltjahr (1964)))

Etwas übersichtlicher: 7-Rest (26 + 2 + 5 + 6 + 1) = 7-Rest (28 + 5 + 7) = 7-Rest (5) = 5 (hier konnten Sie unbedenklich 28 und 7 (jeweils Vielfache von Sieben) ignorieren: 7 und 28 haben keinen Einfluss auf den 7-Rest. Das Ergebnis 5 entspricht einem Donnerstag (siehe oben).

Ohne hier weiter ins Detail zu gehen gibt es noch eine Schaltjahres- und eine Jahrhundert-Regel. Wenn das Jahr ein Schaltjahr ist und wir einen Tag aus den Monaten Januar oder Februar suchen, dann müssen wir einen Tag abziehen. Aus Freitag wird einfach Donnerstag.

21. Jahrhundert (2000 – 2099): Alles wie im 20. Jahrhundert – nur am Schluss noch „einen Tag abziehen“.

Ganz am Rande: Einer meiner Workshop-Teilnehmer war von dem ewigen Kalender so ergriffen, dass er eigenständig ein System für eine Acht-Tage-Woche erfand. Ich glaube aber nicht, dass die Acht-Tage-Woche auf große Begeisterung stößt, weil das zweitägige Wochenende anstatt 2/7 nur noch 2/8 = ¼ der Woche ausmacht. Nach der französischen Revolution sollte in Frankreich übrigens eine Zehn-Tage-Woche eingeführt werden, die noch unbeliebter war… Dazu auch mehr in meinem Buch „Von Pi nach Pisa“.