Weihnachten ist vorbei … und das Jahr 2019 auch fast. Der übliche Vorweihnachtsstress ist der Ruhe gewichen. Plötzlich bietet sich Zeit, einfach mal die Gedanken schweifen zu lassen. Zum Jahresausklang habe ich einige dieser Gedanken aufgeschrieben, die mich bewegen und die ich gerne teilen möchte – als Mensch und Mathematiker.

Wenn ich zum Jahresende Bilanz ziehe, schwingt automatisch auch – für mich selbst zumindest – die Frage mit, ob es ein erfolgreiches Jahr war.

Aber was ist eigentlich Erfolg? – Und macht er glücklich?
Sport und Spiele begleiten mein Leben. Mich zu messen, zu gewinnen, macht mich glücklich.

Am erfolgreichsten bin ich vielleicht im Pokersport. Zumindest war mir dieses Spiel als Modell für meine Alltagsentscheidungen stets ein kluger Ratgeber. Es lehrt mich, trotz seiner radikalen Grundausrichtung – nämlich allen alles wegzunehmen – demütig im Sieg und mutig in der Niederlage zu sein.
Ich spiele dieses Spiel aus freien Stücken, niemand zwingt mich dazu. Und wenn ich am Ende des Tages als Sieger aus all den Kämpfen gehe, gönne ich mir und meinen Liebsten die genüsslichen Vorzüge wie Wiener Schnitzel und Konsumgüter bekannter Label.

Ich entscheide mich täglich für die Sonnenseite und ich kann nicht sagen, dass ich das bereue. Doch versuche ich, mich dabei vernünftig und maßvoll zu verhalten; mehr verlange ich weder von mir noch von anderen.

In den Extremfällen meine ich damit, dass Erfolg „im Kampf“ oftmals zu Korruption, Lüge und Vermischung der eigentlich klaren Gewaltenteilung eskaliert – es führt zur Demütigung des Unterlegenen anstatt zur Demut des Siegers.

Aber es muss ja nicht immer gleich alles so fatal, groß und düster sein. Schauen wir doch mal auf normale Dinge, gute Dinge.

Denn auch das ist Erfolg:

Unsere Gesellschaft genießt z.B. die Errungenschaften unseres Bildungssystems, unser Krankensystem, unseren Versicherungsschutz – und auch Steuern.

Wir leben außerordentlich behütet. Alles um uns herum funktioniert. Wasser, Wärme, Licht; wann auch immer und egal in welcher Menge. Es ist alles einfach da, per Knopfdruck. Überall entrichtet man als Individuum ein irgend geartetes Entgelt und ein großer Apparat „sorgt“ dann dafür, dass alles klappt.

So läuft es im Prinzip ja auch mit Versicherungen, im Krankensystem oder auch bei der Bildung: jeder hat ein Anrecht auf alles. Das klingt erstmal wirklich super. Mein Problem damit ist, dass jeder einzelne diese formidablen Werte unserer Gesellschaft torpediert.

Steuern zu hinterziehen ist weniger geächtet als Raub. Selbstverschuldete Schäden in Versicherungsfälle zu fabulieren wird eher als „geschickt“ denn als asozial gewertet. Bestiehlt man nicht eine konkrete Person, sondern ein abstraktes System, fällt die Moral rapide. Persönliche Interessen, die im Konflikt zum Allgemeinwohl stehen, obsiegen und zermürben das Gute.

An dieser Stelle ziehe ich den Fokus rüber ins Bildungssystem. Wie auch immer wir ausbilden, was auch immer gelehrt wird; stets ist Chancengleichheit ein fragloses Gut: Die Besten sollen sich durchsetzen, egal woher sie kommen. So sorgen wir für unsere Zukunft. Indem wir die richtigen Leute in die richtigen Positionen bekommen. Aber auch hier läuft das so nicht. Mein Idealismus findet seine Grenzen, wenn es um meine eigenen Kinder geht. Was für ein Vater würde nicht helfen, wenn er denn kann!

Wie schon ganz zu Beginn fordere ich weder von mir noch von jemand anderem, dass er wirklich neutral zwischen dem Wohl des eigenen Umfeldes wie dem eines Fremden unterscheidet. Wir Menschen sind nun mal Individualisten; und Egoisten. Man ist sich selbst der Nächste. Moral muss man sich leisten können. Und man gefällt sich im moralischen Handeln. So gesehen gibt es keinen wahren Altruismus. Denn mindestens das Sich-Gefallen im Gut-Sein, ist ja per se egoistischer Natur.

Genau das schätze ich an der Bewegung um Blockchain. Ich bin Mathematiker, verstehe auch das ein oder andere von Kryptographie und habe mir das Thema angesehen. Wirklich durchdrungen aber habe ich es leider nicht.
So ist eine Analogie zur Demokratie tatsächlich mein erster Gedanke, den ich bezüglich Bitcoin und Co glaube, wirklich verstanden zu haben:

Demokratie ist anpassungsfähig und verändert sich stetig. Wir Menschen brauchen leider die Ineffizienz eines relativ dezentralen Systems, damit unterm Strich weniger Missetaten entstehen als mit jeder anderen an sich besseren Form wie Aristokratie, Kommunismus oder Diktatur. Die Demokratie schützt uns in erster Linie vor uns selbst.

Unser Finanzwesen war frei, hat sich entwickelt und sich dabei nachhaltig Fatales geleistet. Unserem Geld steht nichts Belastbares mehr entgegen. Wir sind inzwischen viel zu viele Jahrzehnte vom Goldstandard entfernt. Niemand versteht mehr, was wann wo wie und warum gedruckt wird. Wie sollte das anders enden als in einer Katastrophe? Warum sollten im Finanzwesen all die beschrieben menschlichen Eigenarten anders greifen als wir es inzwischen über Jahrtausende bzgl. Regierungssystemen erlebten? Globales Giralgeld ist enorm jung. Es hat an sich keinen proof of concept hinter sich. Es geht immer einfach nur höher und weiter und weiter und höher. Aber wohin? Und wer kann das bestimmen? Und warum dürften wir diesem vertrauen?

Es braucht bzgl. unseres Geldes den analogen demokratischen Gedanken wie im Machtgefüge. Solches kann nur eine dezentrale wie voll transparente Systematik leisen.

So eine globale Sprache spricht nun mal nur die Mathematik.

Es könnte also gut sein, was da kommt. Das wäre doch schön!