Deutsche SchülerInnen sind nicht besonders gut in Mathematik! So schallte es lange Zeit immer wieder durch die Medien. Auch die MathematiklehrerInnen blieben nicht ungeschoren. PISA und andere Studien ließen nicht nur SchulpolitikerInnen und LehrerInnen aufschrecken. Allerorten wurden Maßnahmen diskutiert, diesen Umstand zu verbessern, Studien wurden erstellt und erste Initiativen ergriffen.

Eine besonders wichtige Studie wurde unter dem Namen „Cognitive Activation in the Classroom: The Orchestration of Learning Opportunities for the Enhancement of Insightful Learning in Mathematics“ (COAKTIV) vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung 2004 begonnen. Sie stellt u.a. fest, dass die Kompetenzen der LehrerInnen eine wesentliche Stellschraube zur Verbesserung des Unterrichts und der Leistungen der SchülerInnen  ist. Ein Ergebnis dieser Studie war, dass ein kognitiv aktivierender und die Selbständigkeit fördernder Unterricht an deutschen Schulen eher die Seltenheit ist.

Das Jahr der Mathematik 2008 schließlich ebnete den Weg zu Maßnahmen für eine effektive Fortbildung für MathematiklehrerInnen. Dieses Jahr bot gezielt die Möglichkeit für Bildungs- und Mathematikdidaktik-ExpertInnen, Defizite in der Schulmathematik sowie die Herausforderungen, denen die deutschen Schulen und der Elementarbereich sich stellen müssen, zu thematisieren.

2011 ergriff dann die Deutsche Telekom Stiftung die Initiative und etablierte gemeinsam mit mehreren Hochschulen das „Deutsche Zentrum für Lehrerbildung Mathematik“ (DZLM), das mit zahlreichen Partnern aus Praxis und Fortbildungsträgern kooperiert. Diese Gründung fußt auf der Expertenstudie „Mathematik entlang der Bildungskette“, die sich für solch eine Gründung eines nationalen, bundesländerübergreifenden Zentrums ausgesprochen hatte. Mehrere Konsortien hatten sich für die Errichtung dieses nationalen Zentrums beworben. Nach einer strengen Begutachtung entschied sich ein Expertengremium unter Vorsitz des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung für den Antrag des DZLM.

Mit dem aus Humboldt-Universität Berlin, Freier Universität Berlin, Ruhr-Universität Bochum, Technischer Universität Dortmund, Universität Duisburg-Essen, Universität Paderborn, Universität Potsdam sowie Pädagogischer Hochschule Freiburg bestehenden Konsortium kooperieren zahlreiche Institutionen. Darunter Lehrernetzwerke, aber auch Ministerien und andere staatliche Einrichtungen. Entstanden ist hiermit ein bundesweites Zentrum und Netzwerk, das kaum vergleichbares in Europa hat. Einzig in Großbritannien existiert bereits seit 2006 das National Centre for Excellence in the Teaching of Mathematics (NCETM), das ähnliche Ziele verfolgt.

Zunächst bündelt das DZLM die Forschungserkenntnisse sowie das Wissen und die Erfahrungen der bereits in Deutschland bestehenden erfolgreichen Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote im Fach Mathematik, um forschungsbasiert Qualitätsstandards für Fortbildungen zu identifizieren. So stellte das DZLM zum Beispiel fest, dass Fortbildungen immer mehrere Präsenz- und Distanzphasen zum Ausprobieren und Reflektieren enthalten sollten. Es versucht die Frage zu beantworten, welche Maßnahmen konkret im Fach Mathematik angeboten werden können, um die knappe Zeit in Fortbildungen effektiv und effizient zu nutzen.

Ziel ist es also, MathematiklehrerInnen mit Unterstützung der Forschung durch Kurse, Fortbildungen und Materialien dabei zu helfen, einen zeitgemäßen und effektiven Mathematikunterricht anbieten zu können. Neu dabei ist, dass diejenigen LehrerInnen im Mittelpunkt stehen, die als engagierte MultiplikatorInnen wirken. LehrerInnen also, die ihre KollegInnen im Fach Mathematik fortbilden, beraten und ihre Unterrichtsentwicklung unterstützen und begleiten. Für diese wichtige Zielgruppe wurde sogar ein erster deutschlandweiter berufsbegleitender Masterstudiengang eingerichtet.

Eine mindestens genauso wichtige Grundlage für die Arbeit des Deutschen Zentrums für Lehrerbildung Mathematik ist die Erkenntnis, dass das fachdidaktische Wissen der Lehrkräfte einen signifikanten Einfluss auf die Schülerleistungen hat. Dieses fachdidaktische Wissen erklärt zu etwa vierzig Prozent die Leistungsunterschiede Ende der 10. So gilt es als erwiesen, dass das Fachwissen die Basis für die Entstehung des fachdidaktischen Wissens ist. Diese Förderung fachspezifischer Kompetenzen ist der Hauptansatzpunkt des DZLM.

Um diese Fachkenntnis in aktuell besonders relevanten Themenbereichen bei den LehrerInnen zu vertiefen hat das DZLM 2016 fünf sogenannte Fokusthemen identifiziert.

  • Sprachkompetenzen ein- und mehrsprachiger SchülerInnen beeinflussen nach Ansicht der Forschung erheblich die  Sprachförderung im Mathematikunterricht ist daher nach Meinung des Zentrums ein bedeutsamer Faktor zur Reduktion herkunfts- und sozialbedingter Bildungsungerechtigkeit.
  • Ein zweiter Schwerpunkt ist die Unterstützung der wachsenden Zahl fachfremd unterrichtender LehrerInnen. Das Lehrerbildungszentrum sieht einen dringenden Bedarf, dass diese LehrerInnen von MultiplikatorInnen bedarfsorientiert fortgebildet werden.
  • Die Erfahrung hat gezeigt, dass beispielsweise bei neuen Kernlehrplänen auch bestimmte Leitideen im Unterricht neu überdacht oder sogar erstmals angeboten werden müssen (wie z. B. Stochastik). Dies führt zu einem hohen Bedarf an Nachqualifizierung, wofür das DZLM gezielte Angebote entwickelt hat.
  • Ferner bietet das Zentrum Qualifizierungsmaßnahmen für MultiplikatorInnen zur Gestaltung eines inklusiven Mathematikunterrichts auch für fachfremd unterrichtende Lehrkräfte wie z. B. SonderpädagogInnen an.
  • Schließlich spielen digitale Medien in allen DZLM-Fortbildungen eine ganz wichtige Rolle, wohlwissend, dass die digitale Zukunft auch in den Schulen bereits schon begonnen hat und mit den richtigen Konzepten an den richtigen Stellen den Mathe-Unterricht verbessern kann.

Für alle dieser fünf Fokusthemen bietet das DZLM zusätzlich zu seinen Kurskonzepten unterschiedliche und adaptierbare Materialien für FortbildnerInnen an. Diese sind individuell aufbereitet und auf das jeweilige Thema zugeschnitten. Sie bestehen aus Handbüchern, kommentierten Präsentationen, kurzen Filmen, Schülerlösungen und vielem mehr und eignen sich insbesondere für die Gestaltung eigener Fortbildungen. Auf Selbstlernplattformen können sich Lehrpersonen und ihre Fortzubildenden zudem flexibel und selbständig fortbilden, eingebettet in einen spezifischen Kontext wie z. B. rechenschwache oder fachfremd Unterrichtende. Die meisten Angebote können aus dem Internet heruntergeladen werden und sind frei verfügbar. Zu finden sind alle Angebote auf der Webseite des Deutschen Zentrums für Lehrerbildung Mathematik.