Einparken ist bei Autofahrern ein großes Thema. Braucht ein Fahrzeugführer mal ein bisschen länger zum Einparken, dann wird sofort der Kopf geschüttelt oder gemurmelt: “Da sitzt bestimmt eine Frau drin, naja, zumindest ein Opa”. Das ist natürlich absoluter Quatsch. Die Geschwindigkeit des Einparkens hat nichts mit der Qualität zu tun. Aber was ist eigentlich Qualität beim Einparken? Wahrscheinlich, das Auto in die möglichst kleine Parklücke zu bekommen, ohne die anderen Fahrzeuge zu touchieren. Aber wir reden hier noch ganz diffus vom Einparken, aber welches Einparken meinen wir überhaupt? In Deutschland am häufigsten ist wohl noch das parallele Rückwärtseinparken, gefolgt vom Vorwärtseinparken in senkrechte Parkbuchten in Parkhäusern.

Wenden wir uns aber jetzt dem Parallelparken zu, denn für dieses Parken entwickeln die Autohersteller Einparkhilfen, die dem ängstlichen Autofahrer das Parken erleichtern sollen. Der Clou dieser Einparkhilfen ist, dass sie dem Autofahrer sogar verraten, ob eine Lücke groß genug ist, um dort einzuparken. In der Praxis sind die von den Systemen gefundenen Lücken aber noch so groß, dass man die Hilfe gar nicht bräuchte. Aber wie entscheidet ein System, ob eine Lücke groß genug ist oder nicht? Wir wollen das einmal kurz analysieren und die Größe einer Parklücke abschätzen, die auf jeden Fall reichen sollte.

Betrachten wir den Paralleleinparkvorgang mathematisch, so stellen wir als Erstes fest, dass dieser Einparkvorgang reversibel ist. Das heißt, wir können auch den Ausfahrvorgang aus einer Parklücke betrachten. Das ist viel einfacher. Als Bedingung legen wir noch fest, dass wir in einem Zug, also ohne zu Rangieren, herausfahren wollen. Das macht die Lücke zwar größer, aber dann sind wir sicher, dass wir auch hineinpassen.

Wir nehmen an, dass unser Auto mit dem Heck das hintere Auto fast berührt, nun schlagen wir voll nach links ein und fahren so weit aus der Lücke heraus, bis wir mit unserem rechten vorderen Kotflügel den linken hinteren Kotflügel des Vordermanns passiert haben, ohne ihn zu berühren. Wenn wir das geschafft haben, sind wir eigentlich aus der Parklücke draußen. Aus diesem Vorgang kann man, mit den geometrischen Daten des Autos, die Größe der Parklücke abschätzen. Man braucht dazu den Wendekreisradius R des Fahrzeugs, die Breite b sowie indirekt die Länge des Fahrzeugs, und zwar Abmessungen von der Hinterachse bis zum Heck h und von der Hinterachse bis zur Kühlerfront f. Mit ein bisschen Mittelstufengeometrie (mehrfache Anwendung des Satzes von Pythagoras) erhält man folgende Formel für die ausreichende Länge einer Parklücke:

Für eine Mercedes E-Klasse mit b = 1,85m, h = 1,14 m, f = 3,72 m und R = 5,63 m ergibt sich damit eine ausreichende Lücke von 6,24 m. Nimmt man dagegen einen Polo mit b = 1,7 m, h = 0,7 m, f = 3,27 m und R = 5,4 m, so sind schon 5,43 m ausreichend.

Von diesen Parklückengrößen sind die Einparkhilfen allerdings bisher weit entfernt.