In der Kirche ist die Sache klar: Vater, Sohn, Heiliger Geist. Drei Einheiten, aber eigentlich doch nur zwei. Ich habe das nie wirklich verstanden. Einfach von den Zahlen her. „Dreifaltigkeit“ – und das zu zweit! Wieso bleibt da Maria außen vor? Etwa wegen Joseph?

Und dann lese ich vom Dualitätsprinzip Dreifaltigkeit. Das gefällt! Denn diese Drei sind doch vom Prinzip her Zwei. Das Wortduett drückt also wunderbar mein Dilemma aus, mehr nicht. Denke ich weiter darüber nach, glaube ich etwas zu erkennen: Das Prinzip selbst ist der Dritte im Bunde! Erst der Bund, die Beziehung des göttlichen Vaters zum Menschensohn an sich, schließt den Kreis. Ja, Göttliches, Irdisches und deren Bezug zueinander, das könnten mit selben Recht drei sein wie zwei. Denn schon Vater und Sohn zusammenzuzählen ist ja irgendwie wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

Ganz ähnlich geht es uns doch immer wieder und überall. Gerade eben erst schrieb ich, ich glaubte etwas zu erkennen. Was denn nun? Erkenne ich etwas oder eben nicht? Interessant wird es oft, wenn ein Thema der Welt von Null und Eins, von Schwarz und Weiß, von richtig oder falsch, entrinnt. Wenn die Lösung nicht eindeutig an einem Rand hängt. Wenn Wahrheit flüchtig in einer Mittelposition versteckt zu vermuten ist. So ist das Leben. Es ist größer als jede Kalkulation.

„Ha!“ Mag nun der ein oder andere jubilieren: „Sag ich doch schon immer: das Rechnen bringt nix.“

Weit gefehlt. Mathematik ist das beste Modell, das wir für unsere Welt ersonnen haben. Ihre Theorie umfasst die einzig existenten Wahrheiten überhaupt. Sie ist unabhängig, neutral. Sie wertet nicht, ist überparteilich und zeitlos. Dank ihr gibt es Fortschritt, der über das Tempo von „trial-and-error“ hinausgeht. Man kann errechnen, ob eine Brücke trägt und direkt eine solche real bauen. Man spart sich unzählige Fehlversuche und das bei quasi allem.

Die Mathematik befähigt uns zur Abstraktion. Dank ihr dürfen wir eine Lösung auf einem Gebiet auf ein anderes übertragen, müssen nicht immer und immer wieder bei null beginnen. Alles, was der Brückenbauer über Statik, Schwerkraft oder Materialien lernt, das hilft beim Häuserbau ebenso wie in der Raumfahrttechnik.

Gleich einem Baukasten ist die Mathematik das Fundament für gutes Entscheiden. Jeden Tag mag irgendein Glücksritter „besser“ als die aktuell bestmögliche Berechnung sein. Aber das weiß der Glückliche immer erst hinterher. Lotto spielen ist als Entscheidung nicht haltbar, auch wenn jede Woche eine wechselnde Minderheit laut das Gegenteil singen mag.

Wer etwas wirklich verstehen will, der schaut nicht nur auf Ergebnisse. Denn diese hängen bei spannenden Dingen wie dem Ausgang eines Fußballspiels immer auch vom „Glück“ oder jedenfalls von etwas Ungreifbarem ab. Nein, er schaut auf die eingeschlagenen Wege. Er orientiert sich an Entscheidungen von Leuten, die effektiv wie effizient vorgehen. Menschen, die die richtigen Dinge tun und dabei Dinge richtig tun. Dass diese dann oft erfolgreich sind, ist nicht Ausgangspunkt, sondern eher Folge.

Aber eben nicht immer. Darum ist es auch das Leben und nicht nur die Simulation dessen. Kommen wir nicht vom Glauben ans korrekte Entscheiden ab, nur weil mal was Ungewöhnliches passiert. Setzen wir in unseren Entscheidungen immer und immer wieder auf das augenscheinlich beste Pferd und bereuen wir es nicht als Entscheidung. Komme, was da wolle. Das hilft uns an guten Tagen nicht abzuheben sowie an schlechten Tagen stehen zu bleiben. Kein Ergebnis darf uns überhöhen und keines darf uns niederschmettern.

Der Fokus gilt bereits der nächsten Abwägung und diese selbst ist ein Zusammenspiel aus rationellem Kalkül und emotionalen Erfahrungen. Dieses Zusammenspiel ist wohl meine persönliche Dreifaltigkeit. Sie ist unergründlich und sicherlich nicht griffig zu beschreiben. Da ist der Kopf und da ist der Bauch und da ist die Beziehung zwischen diesen beiden gern antithetisch gesetzten Spielern. Je besser wir diese dynamische Beziehung verstehen, desto besser wird es uns ergehen.