Verschwörungstheorien haben zurzeit Hochkonjunktur. Jetzt trifft es auch unsere Jahreszählung. 2016 ist ein Schaltjahr. Oh, Gott, welch Unglück. Bitte bloß nicht Lottospielen in diesem Jahr. Oder ist es vielleicht ein Glücksjahr? Dann aber ran mit Lottoscheinen.

Im Internet heißt es: „In einem Schaltjahr treten mehr Unglücke auf.“ „Man sollte keine Pilze im Wald sammeln.“ Das ist immer gefährlich, wenn man einen Knollenblätterpilz nicht von einem Champion unterscheiden kann. Der Champion hat braune Lamellen! „Kinder, die in einem Schaltjahr geboren werden, könnten behindert sein, besonders wenn sich die Frauen die Haare schneiden.“ Spätestens jetzt wird es absurd. Wer glaubt einen solchen Unsinn!

Eine alte Bauernregel lautet: Schaltjahr = Kaltjahr

Aber wieder sei die Frage erlaubt: Woher weiß denn der Frühling oder der Sommer, ob gerade ein Schaltjahr ist? Das Klima kennt auch keinen Kalender.

Aber es gibt auch positive Punkte, die sich mit einem Schaltjahr verbinden. In England ist es Brauch, dass Frauen in Schaltjahren Heiratsanträge machen dürfen.

Was ist eigentlich ein Schaltjahr? Das können Sie ausführlich im Beitrag von Prof. Ludwig nachlesen.

Aber wir wollen heute mal einen dezidierten Blick auf den Schalttag werfen.

Die alten Römer hatten nämlich zur Einführung des Schaltjahres eine feste Regel eingeführt, wie dieses Einfügen passieren sollte. Ihre Regel ist heute fast in Vergessenheit geraten:

Nach dem sechstletzten Tag im Februar wird alle vier Jahre ein Schalttag eingeführt.

Also ist in Schaltjahren der 24. Februar der Schalttag!

Das geschah dadurch, dass der 24. Februar verdoppelt wurde. Es gab wirklich zweimal den 24. Februar in Schaltjahren. Wir können das heute noch erkennen, denn die katholische Kirche hat den Tagen von alters her Namensheiligen zugeordnet. Und da findet man in älteren Gebetbüchern, dass der 24. Februar doppelt auftritt. Alle anderen Daten bleiben gleich. Im Lateinischen heißt daher ein Schaltjahr auch annus bissextilis, also das Jahr mit dem doppelten sechstletzten Tag. Auch heute noch heißt Schaltjahr im Französischen année bissextile. Erst im Jahre 2001 wurde diese Zählung aufgegeben.

Warum wurde im Februar geschaltet? Nun, der Februar war der letzte Monat im römischen Kalender. Darum hat ja der September seinen Namen vom römischen septem, sieben. Oktober von octo, also acht, November von novem, neun, und Dezember von decem, zehn.

Warum wurde der sechstletzte Tag geschaltet? Leider verrät das im Internet niemand. Haben Sie eine Erklärung?

Bedeutung hat diese Schaltregel für alle, die am 29. Februar eines Schaltjahres geboren sind. Die haben dann in einem Nichtschaltjahr einfach am 28. Februar Geburtstag. Und Menschen, die in einem Schaltjahr am 27. Februar geboren wurden, haben nur in Schaltjahren am 27. Februar Geburtstag, in Nichtschaltjahren haben sie am 26. Februar Geburtstag. Umgekehrt sollten die, die am 27. Februar in einem Gemeinjahr geboren wurden, in Schaltjahren ihren Geburtstag bitte am 28. Februar feiern. Analog für den 24., 25. Und 26. Februar. Lustig, nicht?

Hier noch ein Extrembeispiel: Frau Louise Estes und ihr Mann aus Provo im US-Staat Utah haben alle drei Kinder in Schaltjahren bekommen – und zwar jeweils genau am 29. Februar 2004, 2008 und 2012. Ein solcher Fall wird im Guiness-Buch der Rekorde nur zuvor einmal aus Norwegen aus den Jahren 1964, 1968 und 1972 berichtet.