Meine Oma hat immer gesagt: Beziehung ist der Zeitraum im Leben bis etwas Besseres auftaucht. Und die Mathematik gibt meiner Oma Recht. Dass in Deutschland fast 40 Prozent aller Ehen geschieden werden, liegt im Wesentlichen daran, dass sie vorher geschlossen wurden. Trotzdem heiraten so viele Menschen. Immer wieder, manche sogar mehrmals. Vielleicht, weil sie auf dem Standesamt nur eine einfache Entscheidungsfrage gestellt bekommen: „Willst du…?“ Und da sagt man schnell mal „Och… – ja“. Würde der Standesbeamte dagegen die simple Ergänzungsfrage „Warum eigentlich?“ stellen, kämen mit Sicherheit einige Kandidaten ganz schön ins Schwitzen.

Falls Sie sich übrigens gerade in einer eheähnlichen Lebensgemeinschaft befinden, können Sie mit Hilfe einer relativ einfachen mathematischen Formel ausrechnen, wie lange Ihre Beziehung noch hält. Kein Witz. Der Mathematiker James Murray und der Psychologe John Gottmann haben auf der Basis einer Studie mit 700 Paaren eine Beziehungsformel entwickelt. Die einzig relevante Information, die die Forscher dafür brauchten, war die Art und Weise, wie Eheleute mit einem Konflikt umgehen. Dazu wurden sie gemeinsam zu Themen wie Sex, Kindererziehung oder Geld interviewt. Dabei beobachteten die Versuchsleiter, wie das Paar bei Meinungsverschiedenheiten reagiert. Wird die Meinung des anderen eher toleriert oder eher gering geschätzt? Findet das Paar Kompromisse oder beharren beide auf ihrem Standpunkt? Nach nur 15 Minuten Gespräch bestimmten die Wissenschaftler aus den Reaktionen des Paares eine Variable, mit der sie dann die Ehedauer berechnen. Und zwar mit einer Wahrscheinlichkeit von 94 Prozent genau! Ist das nicht irre? Eine klitzekleine Viertelstunde reicht aus, um zu erkennen, ob sich zwei Menschen ihr ganzes Leben versauen.

Glücklicherweise bietet die Mathematik auch eine bequeme Lösung an, die Liebe unseres Lebens mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit zu finden. In den 80er Jahren haben sich Mathematiker mit der Frage beschäftigt: „Wie findet man unter n verschiedenen Objekten möglichst effizient das Beste?“ (Dem Mathematiker ist es im Allgemeinen egal, ob es sich bei den „n Objekten“ um Männer, Frühstücksflocken oder Atomsprengköpfe handelt. Der Frau im Allgemeinen nicht.)

Normalerweise geht die Frau bei der Partnerwahl nach der „Ex-und-Hopp-Methode“ vor.

Sie entscheidet bei jedem Typen nach mehr oder weniger kurzer Zeit: Traummann oder Albtraum? Volltreffer oder Vollidiot? Mathematisch gesehen ein großer Fehler. Viel effektiver nämlich ist die „37-Prozent-Methode“:

  1. Machen Sie eine Liste von allen möglichen, in Frage kommenden Kandidaten. (Zur Vereinfachung nehmen wir an, Sie bekommen irgendwie 100 Männer zusammen.)
  2. Nun testen Sie wahllos 37 Prozent dieser Männer mit einem Testverfahren Ihrer Wahl (Essengehen, Kinobesuch, Geschlechtsverkehr, o.Ä.), nehmen aber keinen davon, selbst wenn Brad Pitt oder George Clooney dabei ist. (Hinweis für Lehrer: 37 Prozent von 100 sind genau 37)
  3. Jetzt führen Sie Ihr Testverfahren mit den restlichen Männern (für die Lehrer: 100 – 37 = 63) fort und nehmen den ersten, der besser ist als die bisherigen. Herzlichen Glückwunsch: das isser! Ihr Traummann. Zumindest mit der maximal möglichen Erfolgsquote. Einen bessere kriegen Sie mit keinem anderen Verfahren. Schlechtere dagegen gibt’s Unmengen.

Und wenn Ihnen diese Regel jetzt zu theoretisch erscheint, dann formuliere ich Sie etwas praxisnäher: Probieren Sie zu wenige aus, fehlt Ihnen die Erfahrung und Sie fallen auf eine Dumpfbacke rein. Probieren Sie dagegen jeden durch, sehen Sie schon bald den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Das Geheimnis liegt also irgendwo dazwischen – und zwar genau bei 37 Prozent. Viel Spaß beim Ausprobieren!